Das Politische an der Kulturanthropologie

Das Politische an der Kulturanthropologie

Mischa (25) studiert im vierten Semester Ethnologie und Kulturanthropologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Während seines Studiums arbeitete er im Rahmen eines freiwilligen Praktikums drei Monate beim Informationszentrum Dritte Welt in Freiburg (iz3w). Wie passen Kulturanthropologie und politischer Journalismus zusammen?

Das iz3w ist ein politisches Zentrum, das sich in der Bildungsarbeit zum Thema Ungleichheiten zwischen dem globalen Süden und Norden engagiert und einen Treffpunkt für Initiativen bietet, die sich gegen ungleiche Verhältnisse einsetzen. Bewusst beschreiben sie sich nicht als eine neutrale Quelle für Informationen des Weltgeschehens:  Elend, Ausbeutung und Unterdrückung käme in den vorherrschenden sozialen, politischen, kulturellen und ökonomische Beziehungen vor, obwohl es genügend Möglichkeiten gäbe, die Welt nicht nur für wenige komfortabel zu gestalten. Deshalb ist ein Schwerpunkt des politischen Magazins „zwischen Nord und Süd“, das alle zwei Monate veröffentlicht wird, die Ordnung einer Welt zu kritisieren die sie  “nicht für die beste aller denkbaren halten”. Mischa bekam während des Praktikums erste Einblicke in die Medienarbeit des kritischen Journalismus, konnte sein politisches Interesse einbringen und sein Wissen erweitern: Es öffnete mir die Tür des redaktionellen Journalismus, oder weiter gefasst – der Medienarbeit.” Bei meinem Interview mit Mischa interessierte mich vor allem, wie sein Arbeitsalltag während des Praktikums konkret aussah und wie Kulturanthropologie und politischer Journalismus zusammenpassen.

Wie sah dein Arbeitsalltag aus? Was waren deine Aufgaben?

Die Die redaktionelle Arbeit bestand darin, Artikelideen zu entwickeln und auszuarbeiten und die dazugehörige Bild- und Informationsrecherche durchzuführen.

“Dazu gehört es, sich über aktuelle Geschehnisse weltweit zu informieren und sich teilweise intensiv mit Vorgängen anderorts zu beschäftigen.”

Die meist von anderen Autoren und Autorinnen verfassten Artikel zu redaktionell ausgearbeiteten und vorgeschlagenen Themen werden redigiert, gegengelesen und redaktionsintern kritisch besprochen.
Feedback und Recherchearbeit – Artikel immer wieder überarbeiten oder (neue) Informationen suchen – nimmt eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag ein.

“Vor allem lesen, lesen, lesen.”

Dabei stehen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen immer im Austausch mit den Redakteurinnen und Redakteuren des Magazins – eine bereichernde, kooperative Arbeitsweise:

“Am spannendsten waren für mich die Plena, die Diskussionsrunden über politisch heiße Artikel bei denen teilweise hitzig und kontrovers diskutiert wurde – alles bei Kaffee und Kippen im sonnigen Hinterhof versteht sich.”

Inwiefern hat dich das Praktikum bereichert? Würdest du sagen, dass du Inhalte oder Methoden der Kulturanthropologie anwenden konntest?

Die im Studium behandelten Themen werden in einen aktuellen politischen und größeren Bezug gesetzt und in spannenden Diskussionen ausgehandelt. Zudem spricht Mischa Softskills an, die im Studium anklingen und die er im Rahmen seiner Tätigkeit weiterentwickeln konnte:  Dazu gehört nicht nur kontrovers diskutieren, sondern auch komplexe politische Geschehnisse und unterschiedliche Gesellschaften weltweit zu verstehen und Entwicklungen und Entstehungsmechanismen nachzuvollziehen. Eine weitere Herausforderung für war es, die eigene Meinung fundiert und reflektiert zu äußern und diese unter Kritik zu begründen.

“Es ist also durchaus berufsrelevant!”

Kannst du dir vorstellen im Journalismus zu arbeiten?

Einen Job im journalistischen Bereich kann sich Mischa gut vorstellen, das hat das Praktikum ihm bestätigt. Was er mit dem facettenreichen Repertoire eines Kulturanthropologie-Studiums konkret machen möchte, ist noch nicht klar. Doch es öffnet ihm die Türen zu dem, was ihm wichtig ist:

“[…] dass es mich persönlich erfüllt und gleichzeitig dazu beiträgt, die Ordnung einer Welt zu kritisieren, die ich nicht für die bester aller Möglichen halte.”

 

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