Kultur im Chemiepark: Arbeitsalltag einer Pressesprecherin

Kultur im Chemiepark: Arbeitsalltag einer Pressesprecherin

Die meisten meiner Freundinnen aus dem Bachelor (KuWi) haben sich nach dem ersten Abschluss für eine Fortsetzung der akademischen Laufbahn – also für ein Masterstudium – entschieden. Anders lief es bei Karoline Gellrich. Sie schloss dem BA direkt ein Volontariat an und arbeitet heute als Pressesprecherin bei CURRENTA, einem Chemiepark-Betreiber in NRW. Während der Rest der Gruppe (inklusive mir) sich hauptsächlich zwischen Hörsaal, Uni-Bib und Mensa bewegt, pendelt Karo von ihrem Büro aus zu verschiedenen Orten und Terminen. Manchmal muss sie dabei sogar einen Sicherheitshelm tragen. Für diesen Blogbeitrag haben Karo und ich uns darüber unterhalten, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, was sie vom Studium mitgenommen hat und ob es eventuell doch noch Pläne für einen Master gibt.

Titelbild: Arbeitsalltag – Karoline Gellrich (rechts) im Gespräch mit Medienberaterin Birte Gernhardt (links).

Karo ist 26 und hat ihr Studium an der Universität Regensburg vor drei Jahren mit einem Bachelor in Vergleichender Kulturwissenschaft abgeschlossen. Direkt im Anschluss startete sie mit einem Volontariat bei CURRENTA in Leverkusen die Ausbildung zur Pressesprecherin. CURRENTA ist Betreiber des CHEMPARK – ein Chemieareal, das sich auf die drei Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld verteilt. Insgesamt produzieren im CHEMPARK über 70 Unternehmen, bei denen mehr als 48 000 Mitarbeiter*innen beschäftigt sind.

Karo, zunächst: Wer ist CURRENTA?

„Ein bisschen kann man sich das so vorstellen, als ob wir der Hausmeister für den CHEMPARK sind“, erklärt Karo. „Wir kümmern uns um die Infrastruktur, Ver- und Entsorgung, Analytik und Sicherheit, damit alle Unternehmen im Park erfolgreich produzieren können.“

Was macht eine Pressesprecherin?

„In erster Linie ganz viel Kommunikation! Bei uns geht es zum Beispiel darum, die Anwohner darüber aufzuklären, was hier überhaupt produziert wird, um die Akzeptanz des CHEMPARKs zu erhöhen. Dafür nutzen wir verschiedene Kanäle. Neben klassischen Presseinformationen sind in der heutigen Zeit natürlich digitale Medien von großer Bedeutung. Über Facebook, YouTube, Instagram und Twitter versuchen wir, Einblicke in die tägliche Arbeit der Kollegen und Kolleginnen zu geben – mit netten Geschichten und persönlichem Bezug. Dann befüllen wir natürlich auch die Website und haben ein gedrucktes Nachbarschaftsmagazin, indem wir Informationen speziell für die Zielgruppe Nachbarn aufbereiten – möglichst so, dass man es auch verschlafen am Frühstückstisch lesen und verstehen kann. Mit unserer Arbeit wollen wir dem CHEMPARK ein Gesicht geben.“

Wie sehen deine Aufgaben im Einzelnen aus?

„Die täglichen Aufgaben einer Pressesprecherin sind vielfältig und abwechslungsreich. Mein Handwerk ist natürlich das Schreiben: Pressemitteilungen, Inhalte für unsere Social-Media-Kanäle, Geschichten für die Nachbarschaftszeitung, Kommunikationskonzepte, Präsentationen und so weiter. Auf der anderen Seite ist Netzwerkbildung sehr wichtig. So komme ich an neue Geschichten, indem ich sowohl intern als auch extern ein Netzwerk aufbaue und ausbaue und mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen treffe. Und dann sind da noch Veranstaltungen, die ich organisiere und betreue. Das bedeutet nicht nur Veranstaltungsmanagement, oftmals übernehme ich auch die Präsentation oder Moderation. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Krisenkommunikation. Wir betreuen die Unternehmen im CHEMPARK, sollte es einen Vorfall beziehungsweise eine Krisensituation geben. Da geht es dann wieder auch um die Kommunikation nach innen und außen.“

Wie bist du zu CURRENTA gekommen?

„Mir war es von Anfang an wichtig, neben dem Studium Praxiserfahrungen zu sammeln, um mein Berufsprofil zu schärfen. Zuerst hab ich mit klassischem Journalismus angefangen und ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht und danach noch weiter Artikel für die Zeitung geschrieben. Dann habe ich mich beim Fernsehen ausprobiert, beim WDR und bei RTL. Das war mir aber zu viel Einzelkampf und zu wenig Teamarbeit. Ich bin dann zu CURRENTA gegangen, um Pressearbeit aus der Sicht eines Unternehmens kennenzulernen. Daraus hat sich dann später das Volontariat ergeben und mittlerweile bin ich fest angestellt.“

Warum hast du Kulturwissenschaft studiert?

„Ich hatte immer schon eine Leidenschaft fürs Schreiben. Deshalb wusste ich schon früh, dass ich gerne etwas in die Richtung machen möchte. Und ich hatte auch immer schon Spaß am Journalismus. Was mich davon abgehalten hat, Journalismus zu studieren, war, dass ich mir das sehr methodisch vorgestellt habe. Da lernt man Theorie oder das Handwerk des Journalismus, aber man hat eigentlich keinen inhaltlichen Schwerpunkt, mit dem man sich besonders intensiv beschäftigt. Deswegen habe ich mich für eine Kombination aus Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft entschieden, weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, mich breiter aufzustellen. Ich wollte nicht nur das Handwerk des Schreibens lernen, sondern auch konkrete Forschungsinhalte haben. Außerdem habe ich mich schon immer für andere Kulturen interessiert, für Kunst und das Verhalten von Menschen, aber besonders eben für Lebensweisen im Alltag. Ich finde Kulturwissenschaft ist ein super spannendes und vielfältiges Fach.“

Gibt es Kompetenzen, die du im Studium gelernt hast und heute im Arbeitsleben anwendest?

„Auf jeden Fall! Als Pressesprecherin beschäftige ich mich auch mit Unternehmenskultur, und wie diese nach außen getragen wird. Da steckt schon der Begriff Kultur drin und damit beschäftigen sich ja auch kulturwissenschaftliche Forschungen. Und dann natürlich die Arbeitsweisen der Geisteswissenschaften. Wenn man überlegt, wie man an Recherchen rangeht: Im Journalismus ist es wichtig, eine Sache aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Aus dem Studium habe ich mitgenommen, dass es nicht nur die eine wahre Sicht auf etwas gibt, sondern dass bei jedem Thema ganz viele Meinungen und Sichtweisen berücksichtigt werden müssen. Ich habe gelernt, dass alles immer eine Frage der Perspektive ist und wie man einen Punkt von verschiedenen Seiten beleuchten kann. Das hilft mir heute dabei, mich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Perspektive einzunehmen – sei es ein Journalist oder eine Anwohnerin. Für den Job ist es sehr hilfreich, differenzierte Haltungen einnehmen zu können und dabei möglichst neutral zu bleiben.

Als weitere wichtige Kompetenz sehe ich, dass ich durch mein Studium gelernt habe, komplexe Themen zu verstehen, auf das Wesentliche zu reduzieren und gut verständlich aufzubereiten. Ich bin ja zum Beispiel keine Chemikerin und habe von einzelnen chemischen Prozessen oder technischen Vorgängen, um die es hier geht, oftmals wenig Ahnung. Dann muss ich bei den Experten nachfragen, was aber nicht schlimm ist. Denn am Ende ist es ja mein Job, die Dinge für ein Publikum herunterzubrechen, das von solchen Prozessen ebenso wenig weiß. Dabei hat mir das Studium auf jeden Fall auch geholfen: viele Quellen und komplexe Theorien auf einen gemeinsamen Nenner zu reduzieren.“

Fällt dir dazu ein konkretes Beispiel ein?

„Ganz konkret haben wir da eine Kampagne, die nennt sich Was hast du davon? – sie könnte auch Chemie in meinem Alltag heißen. Für viele ist ein Chemiepark etwas Abstraktes, was man sich nicht richtig vorstellen kann, und Chemikalien sind eher mit etwas Negativem verbunden. Bei der Kampagne geht es darum, zu zeigen, wo ein Mensch im Alltag mit den im Park hergestellten Produkten in Berührung kommt. Das reicht zum Beispiel vom Pfefferminzgeschmack im Kaugummi über den Kunststoff für leichte Autos bis zum Sonnenschutz in der Sonnenmilch. Das sind ja auch alles Alltagsgegenstände und Alltagskultur. Dabei musste ich direkt an mein kulturwissenschaftliches Studium denken.“

Denkst du daran, eventuell doch noch einen Master zu machen?

„Also ich denke, wenn man im Bereich Medien oder Kommunikation tätig ist und nicht in die Forschung geht, ist der Bachelor eigentlich völlig ausreichend. Es kann zwar sein, dass ein Masterabschluss als Zugangskriterium erwartet wird. Aber wenn du erstmal drin bist, kommt es am Ende auf die Berufserfahrung an, die du hast, und weniger auf das Studium. Das heißt aber nicht, dass ich nicht persönlich Interesse hätte, vielleicht doch irgendwann noch einen Master zu machen. Eventuell im englischsprachigen Ausland. Dann auch gerne im Bereich Kulturwissenschaft, weil das Fach einfach unglaublich spannend ist und mir viel Spaß gemacht hat.“

Zum guten Schluss die Frage: Würdest du heute nochmal dasselbe studieren?

„Sofort! Ohne zu zögern. Weil ich glaube, jeder sollte das studieren, was ihm Spaß macht. Ich hatte drei wundervolle Jahre an der Uni Regensburg und viel Freude beim Lernen. Die Dinge, die einem Spaß machen und die einen begeistern, da ist man einfach am allerbesten drin. Und deswegen sollte man die auch verfolgen und in die Tat umsetzen.“

In diesem Sinne bedanke ich mich ganz herzlich bei Karo für dieses Gespräch und hoffe ihr seid von ihren Worten genauso inspiriert wie ich.

 

Bildquelle: Currenta GmbH & Co. OHG

 

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