Lernen, Verbindung herzustellen: Alumni Freiburg

Lernen, Verbindung herzustellen: Alumni Freiburg

Bei Alumni Freiburg zu arbeiten ist eine studentische Arbeitsstelle der besonderen Art. Hier gibt es die Möglichkeit, erlernte Fähigkeiten aus dem Studium anzuwenden und zu erweitern und gut bezahlt wird man auch. Es lohnt sich als Studierende(r) der Geisteswissenschaften in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln, um sich während des Studiums optimal auf die Berufswelt und alle anderen Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.

Der Schriftzug “Zur Lieben Hand” steht am Eingang des Gebäudes in der Altstadt von Freiburg in dem die Alumni-Arbeit betrieben wird. Ein Alumnus oder eine Alumna sind „Ehemalige“ einer Hochschule oder anderer Institutionen des tertiären Bildungsbereiches. Die Beziehungen zu den Ehemaligen werden gepflegt mit Alumni-Veranstaltungen und anderen Aktionen. Dabei spielen die Alumni-Netzwerke eine wichtige Rolle. Diese Netzwerke betreiben Kontaktarbeit, um Alumni und Alumnae für sich zu gewinnen. Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg war die erste Hochschule in Deutschland, die eine Alumni-Organisation für alle Fakultäten, alle Studierendengenerationen und alle Nationalitäten gründete. Mittlerweile gibt es solche Organisationen an vielen Universitäten im deutschsprachigen Raum. Bei dem sogenannten Alumniscore von Matoma Internet Consulting wird dem Wunsch nach einer Professionalisierung der Alumni-Arbeit nachgekommen. Diese lässt sich nun anonym mit der von anderen Hochschulen vergleichen. Alumni Freiburg erreichte im Jahr 2016 unter 102 Hochschulen die höchste Punktzahl. Im internationalen Vergleich würde das Ergebnis wohl anders aussehen. Vor allem in den USA sind Alumni-Organisationen der Universitäten älter und viel etablierter als bei uns. Dort ist es für viele Alumni eine Selbstverständlichkeit, sich für die ehemalige Universität einzusetzen und diese nach eigenen Möglichkeiten zu fördern. Aber auch im deutschsprachigen Raum kommt das immer häufiger vor.

In einem Gespräch mit der Leiterin des Alumni-Büros der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dr. Cornelia Staeves, habe ich herausgefunden, wieso es sich hier – besonders als Geisteswissenschaftler*in – lohnt zu arbeiten:

Welche sind die Hauptaufgaben des Alumni-Büros?

In erster Linie ist das Alumni-Büro innerhalb der Universitätsverwaltung die Anlaufstelle für ehemalige Studierende aller Fakultäten, aller Nationalitäten und aller Studierendengenerationen – das sind immerhin geschätzt über 200.000 Personen. Unsere Hauptaufgabe ist es, den Kontakt zu ehemaligen Studierenden aufzubauen und sie wieder neu für die Universität zu begeistern. Alumni-Arbeit ist „Networking“, denn wir stellen Verbindungen her zwischen Studierenden, ehemalige Studierenden, Lehrenden und verschiedenen Institutionen der Universität – zum Vorteil aller. Wir nutzen verschiedene Medien, um die Alumni über Entwicklungen ihrer Universität und Alumni-Aktivitäten zu informieren. Außerdem laden wir sie zu Alumni-Veranstaltungen der Universität oder der regionalen Alumni-Clubs ein. Wir sammeln auch Spenden bei Alumni für studentische Projekte oder zur Unterstützung der Studierenden. In den vergangenen Wochen spendeten zahlreiche Alumni zugunsten des Projektes „Studiennothilfe“, um Studierenden zu helfen, die infolge der Corona-Pandemie ihre Jobs verloren hatten.

Was sind die Aufgaben der Hilfskräfte?

Unsere studentischen Hilfskräfte übernehmen sehr vielfältige Aufgaben. Es geht einerseits um die Datenerfassung, die Datenrecherche und die Datenbankpflege. Bis die Corona-Pandemie einsetzte gehörte auch dazu, das schönste Abschiedsgeschenk der Universität für Absolvent*innen vorzubereiten, das Absolvent*innenfoto in Hut und Talar. Wir hoffen, dass unsere Absolvent*innen sich noch nach Jahrzehnten diese Fotos anschauen und damit eine schöne Erinnerung an ihre Studienzeit in Freiburg verbinden. Außerdem bieten wir unseren studentischen Hilfskräften die Gelegenheit, bei uns das journalistische Schreiben zu üben. Wir veröffentlichen einen Alumni-Online-Newsletter und einen Blog, dafür schreiben unsere studentischen Hilfskräfte Beiträge. Da das Alumni-Büro auch Veranstaltungen wie beispielsweise das Alumni-Meeting organisiert, erhalten die studentischen Mitarbeiter*innen auch einen Einblick in den Tätigkeitsbereich Eventmanagement.

Welche speziellen Fähigkeiten wünschen Sie sich von zukünftigen Hilfskräften?

Ich glaube, das Wichtigste ist die Bereitschaft das Alumni-Projekt mitzutragen und sich dafür zu engagieren. Alle unsere Hilfskräfte bringen persönliche Fähigkeiten und Talente ins Team ein, die schon häufig zur Entwicklung neuer Projekte geführt haben.

Welchen Mehrwert haben für Sie Geisteswissenschaftler*innen?

Da das geisteswissenschaftliche Studium die Auseinandersetzung mit umfangreicher Literatur erfordert, sind sie geübt, das Relevante aus der Informationsflut herauszufiltern. Auch ein guter Schreibstil wird durch die Anforderungen des geisteswissenschaftlichen Studiums begünstigt.

Was wird von Geisteswissenschaftler*innen sowohl hier im Büro als auch auf dem Arbeitsmarkt erwartet?

Es wird vor allem erwartet, dass sie gut formulieren können, dass sie gut schreiben können und dass sie eine Information in einen Kontext setzen können – sei es ein geschichtlicher oder ein gesellschaftspolitischer. Ich glaube, das sind Grundlagen, die man bei Geisteswissenschaftler*innen heute voraussetzt.

Haben sich die Ansprüche an Geisteswissenschaftler*innen mit der Zeit verändert?

Die neuen Medien und die rasante Entwicklung des IT-Bereiches haben auch die Tätigkeitsbereiche der Geisteswissenschaftler*innen verändert. Zudem haben sich Ausbildungsmöglichkeiten verändert. Auf dem heutigen Arbeitsmarkt verlangt man entsprechend Flexibilität und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

Wie können Studierende der Geisteswissenschaften von der Arbeit hier bei Alumni Freiburg profitieren?

Für viele unserer studentischen Mitarbeiter*innen ist es der erste Job. Und so lernen sie bei uns die „Basics“ des Berufslebens kennen wie beispielsweise Urlaubseinreichung, Krankmeldung, Arbeitszeiterfassung. Ich hoffe, dass die Erfahrungen aus dem Alumni-Büro unseren studentischen Mitarbeiter*innen den Berufseinstieg erleichtern. Immerhin können sie einen anspruchsvollen Job nachweisen. Ich persönlich freue mich sehr, wenn ich in den Medien Artikel finde, die unsere ehemaligen Mitarbeiter*innen geschrieben haben.

Was raten Sie Geisteswissenschaftler*innen, welche Schwerpunkte sie abseits des Studiums setzen könnten? Wie bereiten wir uns am besten auf die Zukunft vor?

Das ist eine sehr schwere Frage. Seit meinem Berufseinstieg – ich bin ja auch Geisteswissenschaftlerin – hat sich sehr viel geändert. Ich persönlich glaube, dass sich den Geisteswissenschaftler*innen durch die zunehmende Digitalisierung innerhalb unserer Informationsgesellschaft neue Chancen und neue Tätigkeitsbereiche erschließen werden. Denn die Flut der Informationen wird gebündelt, strukturiert und korrigiert werden müssen. Deshalb ist es wichtig, Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten und entsprechende Zusatzqualifikationen zu erwerben.

 

Titelfoto: Ruben Jochem

Foto von Dr. Cornelia Staeves: Sandra Meyndt

Schreibe einen Kommentar