Meine Erfahrungen als Praktikant im Militärarchiv Freiburg

Meine Erfahrungen als Praktikant im Militärarchiv Freiburg

Im Rahmen eines sechswöchigen Pflichtpraktikums besuchte ich im Frühling 2019 das Militärarchiv Freiburg, um die Arbeit eines Archivars kennenzulernen. Für mich hat es sich gelohnt. Warum, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Das Militärarchiv

Die Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs mit Sitz in Freiburg hat die Aufgabe, Schriftgut und Bildmaterial der deutschen Armeen ab dem Jahr 1867 zu verwahren und ihre öffentliche Zugänglichkeit sicherzustellen. Das Bundesarchiv als solches wurde am 3. Juni 1952 gegründet, die Zentrale ist in Koblenz. Die Bundesbehörde ist in zahlreiche Abteilungen untergliedert, das Militärarchiv ist lediglich eine davon. Das Archiv wiederum ist unterteilt in fünf Referate, die unterschiedliche archivalische Aufgaben wahrnehmen oder sich auf verschiedene Zeitspannen konzentrieren.

Ich selbst war eingesetzt im Referat MA 1, dieses behandelt: Analoge und digitale Überlieferungsbildung in der Abt. MA; Einsatzführungskommando der Bundeswehr und unterstellte Einheiten und Verbände im Auslandseinsatz; Archivische Angelegenheiten der NATO; Zwischenarchiv; Organisationsunterlagen; Magazindienst; Werkstätten; Praktische Fachausbildung; Öffentlichkeitsarbeit der Abteilung.

Mein Aufgabenfeld: Verschlusssache

Meine Vorgesetzten erteilten mir gleich zu Beginn meines Praktikums zwei Aufgaben, die später nochmals um eine weitere ergänzt wurden. Mein Hauptaugenmerk sollte auf der Erstellung eines Portfolios zum Thema CIMIC (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) der Bundeswehr in den Balkan-Einsätzen der 1990er Jahre auf Grundlage des vorhandenen Archivmaterials liegen. Alle vorhandenen Unterlagen zu diesem Thema sollten von mir in diesem Rahmen aufgelistet werden. Zusätzlich verfasste ich abschließend einen Bericht, welcher den Inhalt jeder Akte möglichst übersichtlich in einen Gesamtzusammenhang einordnete. Die Ergebnisse meiner Arbeit wurden zudem in Form einer Präsentation den Mitarbeiter*innen des Referats vorgestellt.

Inhaltlich ist es mir größtenteils nicht gestattet, diese Informationen hier weiterzugeben, da sämtliche Akten als Verschlusssache eingestuft waren, welche der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind, da dieser Status erst nach 30 Jahren aufgehoben wird. Das Thema war ausgesprochen interessant und die Aufgabe durchaus langwierig, da ich die erste Person war, die diese Arbeit im Archiv vornahm. Ich hoffe, dass mein Beitrag es den Mitarbeiter*innen und Besucher*innen des Archivs in Zukunft erleichtern wird, spezifische Informationen zu diesem Themengebiet zu finden. Ein Großteil meiner Arbeit bestand darin, den Katalog des Archivs nach Aktenordnern zu durchsuchen, die passende Informationen enthielten. Diese wiederum mussten dann durchgeblättert werden, wobei nur ein relativ geringer Prozentsatz tatsächlich auch relevante Dokumente enthielt, die Aufschluss über den Ablauf von Einsätzen gaben.

Meine zweite Aufgabe war, Unterlagen zu sammeln, die sich mit der Invasion der Normandie 1944 aus Sicht der deutschen Verteidiger befassten. Das war einfacher zu bearbeiten, da die Unterlagen jener Zeit übersichtlicher sind, denn die nationalsozialistische Führung hatte seinerzeit einen Befehl zur Aktenvernichtung gegeben. Meine Aufgabe diente einem bevorstehenden Vorhaben: Anlässlich des 75. Jahrestages der Landung der Alliierten (2019) sollte eine öffentliche Veranstaltung im Archiv stattfinden. Im Fokus sollten vorrangig Archivalien stehen, die im Rahmen einer Ausstellung oder Präsentation entsprechend wirkungsvoll eingesetzt werden könnten. Bildmaterial oder Zeichnungen, die bereits bekannte Eindrücke der Invasion darstellen, waren hier ebenso geeignet wie eindrückliche Berichte von Einzelpersonen oder militärischen Anführern. Die Darstellung erfolgte kritisch und in keiner Weise glorifizierend. Auch die Grausamkeit des Krieges und die erbarmungslose Rücksichtslosigkeit der deutschen Führung in Berlin und teilweise vor Ort wurden verhandelt.

Dann schließlich meine dritte Aufgabe: Ich sollte Dokumente der DDR-Grenztruppen analysieren und zwar spezifisch hinsichtlich darauf, welche Haltung die Truppen zum Regime und ihrer moralisch schwierigen Aufgabe hatten. Hierzu sammelte ich eine größere Reihe von dokumentierten Grenzdurchbrüchen, Fahnenfluchten und anderen Vorkommnissen und legte ein Verzeichnis über sie an.

Mehrwert des Praktikums und gute berufliche Perspektiven

Der Mehrwert im Rahmen eines kulturanthropologischen Studiums ist gegeben, da sich die Forschung ja auch diese Art von Quellen, abhängig von der jeweiligen Forschungsfrage, gern zu Nutzen macht. Dementsprechend wird ein solcher Praktikumsplatz auch von Seiten der Universität Freiburg akzeptiert. Militärische Belange und Themenfelder sind meines Wissens nach bislang nur relativ wenig kulturwissenschaftlich erforscht, wobei die Menge der Arbeiten umso geringer ist, je aktueller der Zeitraum ist. Gerade jedoch Abläufe in der Bundeswehr erregen immer wieder das Interesse der Öffentlichkeit und bieten große Potenziale für die Forschung. Der Zugang zu dem erforderlichen Material mag jedoch nicht immer leicht sein. Von daher ist das Militärarchiv Freiburg durchaus als Anlaufstelle zu empfehlen. Untersucht man Themen, die die Vorgängerorganisationen der Bundeswehr betreffen, so ist das Archiv in den meisten Fällen schlicht die einzige Möglichkeit, die gesuchten Informationen zu erlangen. Unabhängig davon finde ich, dass es für alle historisch arbeitenden Geisteswissenschaftler*innen ausgesprochen hilfreich ist, sich einen kompetenten und respektvollen Umgang mit Archiven zuzulegen.

Um Archivar als Beruf auszuüben, ist allerdings ein Studium an einer Archivschule notwendig. Dieses wird vom Großteil aller Beschäftigten des Militärarchivs in Marburg absolviert. Dass dem ein geisteswissenschaftliches Studium vorausgeht, ist zwar nicht ungewöhnlich, aber auch nicht zwingend erforderlich. Das Berufsangebot als Archivar ist jedoch nach Aussage aller Beschäftigten im Bundesarchiv ausgesprochen gut, da die Nachfrage wesentlich höher sei als das Angebot an Absolvent*innen. Wichtige Arbeitgeber sind der öffentliche Dienst, aber auch private Archive. Die Arbeit in einem Archiv der Wirtschaft eröffnet die größten finanziellen Gewinnmöglichkeiten.

Fazit

Zusammenfassend kann ich allen Studierenden der Kulturanthropologie ein Praktikum in einem Archiv sehr empfehlen, besonders natürlich, wenn ein Interesse für deutsche Geschichte und vielleicht ein Berufswunsch innerhalb einer historisch ausgerichteten Einrichtung vorhanden ist. Und was speziell das Militärarchiv betrifft: Auch Personen, die der deutschen Armee oder dem Militär kritisch gegenüberstehen, sollten diesen Unmut keineswegs auf das Archiv richten. Tatsächlich ist das Militärarchiv nicht an die Bundeswehr gebunden, sondern hat – im Gegenteil! – den Auftrag, auch sämtliche Akten aufzubewahren, die bei Verfehlungen des Militärs oder ähnlichen Vorkommnissen juristisch wichtig sind. Die Tätigkeit an sich erstreckt sich auf viele verschiedene Themenbereiche und die gewaltige Menge an Unterlagen und Quellen empfand ich als ausgesprochen beeindruckend, da nur auf diese Weise sichergestellt werden kann, dass das Wissen um die Vergangenheit langfristig erhalten bleibt und genutzt werden kann.

Mehr zum Militärarchiv: http://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Meta/Ueber-uns/Dienstorte/Freiburg-im-Breisgau/freiburg-im-breisgau.html
Mehr zum Bundesarchiv: https://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Home/home.html

 

Foto: Sophia Blum

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