Mordsgeschichte: Der Krimiautor Roland Weis

Mordsgeschichte: Der Krimiautor Roland Weis

Früher hat Roland Weis Geschichte studiert, heute schreibt er Kriminalromane und ist damit sehr erfolgreich. Mich interessiert vor allem seine eigene Geschichte. Wie verlief der Weg vom Historiker zum Spannungsschreiber?

Es ist Abend und schon dunkel draußen. Wir sitzen in meinem Wohnzimmer bei Kaminfeuer auf der schwarzen Ledercouch. Es beeindruckt mich, dass Herr Weis dem Interviewtermin sofort zugesagt hat. Er hat sich Zeit genommen, obwohl ich weder Journalistin für ein namhaftes Blatt bin, noch eine gefürchtete Buchkritikerin, sondern Studierende der Kulturanthropologie in Freiburg. Herr Weis seinerseits wird gemeinhin als Autor genannt, der als Erster das Genre des Regionalkrimis im Schwarzwald verortete. In seinen Büchern kombiniert er Regionalgeschichte und lokale Schauplätze mit spannenden Mordfällen.

Beruflicher Werdegang

Roland Weis wurde 1958 in Sankt Georgen geboren. Wirklich lange hat es ihn nie vom Hochschwarzwald weggezogen. Lebensmittelpunkt ist für den promovierten Historiker und gelernten Redakteur seit vielen Jahrzehnten Titisee-Neustadt und Umgebung. Als er für sein Studium „Neuere und Neueste Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Wissenschaftliche Politik“ nach Freiburg zog, behielt er dennoch den Erstwohnsitz in Neustadt, um „eingetragener Neustädter“ zu bleiben.

Bereits vor seinem Studium war Weis Lokalreporter für den Südkurier. Die gewonnenen redaktionellen Erfahrungen halfen ihm danach, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, indem er für verschiedene Zeitungen und Radiosender arbeitete. Schließlich kam er zu Radio Freiburg (heute baden fm), wo er dreizehn Jahre blieb und zum Leiter der Wort- und Nachrichtenredaktion aufstieg. Als der Sender verkauft wurde und sich dadurch das Programmformat änderte, entschloss sich auch Weis für einen Wandel.

„Die Musik, die Formate, die Inhalte wurden immer jünger, immer mehr vom Text entkernt, nur noch Musik und das war ja gerade nicht das, was ich gelernt hatte. Ich habe gemerkt: Der Radiosender wird immer jünger, ich werde immer älter – es wird Zeit, zu gehen.“

Durch seine Vernetzung in der Freiburger Landschaft gelang ihm dann 2002 der Sprung in die Pressestelle des regionalen Energieanbieters badenova, 2009 übernahm er die Leitung der Stabstelle in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Diese fusionierte 2014 mit dem Marketingbereich, wodurch sich sein Zuständigkeitsbereich erweiterte und er an die Spitze der Unternehmenskommunikation trat. In dieser Position ist er nach wie vor hauptberuflich tätig.

Nebenher hielt er seine Profession als Historiker immer lebendig und schrieb über viele Jahre hinweg für „Reader’s Digest“ und „Geschichte mit Pfiff“, eine historische Monatszeitschrift, die Auftragsarbeiten ausschreibt, für die sich Weis bewarb. Gleichzeitig forschte er zur Regionalgeschichte des Hochschwarzwaldes und veröffentlichte mehrere Werke, vom „Nachschlagewälzer“ bis hin zum historischen Wanderführer. Für die Badische Zeitung verfasste er stadt- und heimatgeschichtliche Artikel.

Engagement in Kommunalpolitik und Vereinen

Doch wer versucht ist, dem Glauben zu verfallen, das sei nun alles, irrt sich: „Ich bin in tausend Vereinen, die kann ich gar nicht alle aufzählen und Initiativen und engagiere mich in allem Möglichen“, erzählt Roland Weis schmunzelnd, während er sich noch einen Keks nimmt. Viele Jahre war er kommunalpolitisch aktiv, im Gemeinderat Titisee-Neustadt, im Regionalverband „Südlicher Oberrhein“ und wirkte bei der Gründung der HTG (Hochschwarzwald Tourismus GmbH) mit. Zehn Jahre lang war er Stadionsprecher beim Skisprung Weltcup in Neustadt und in jungen Jahren Gründungspräsident sowie aktiver Fahrer des Hornschlittenfahrvereins „Die Hornochsen“.

Die Schwarzwaldkrimis

Und jetzt das Sahnehäubchen der Schwarzwaldtorte: Bekannt und regional beliebt ist Roland Weis vor allem für seine Schwarzwald-Regio-Krimireihe. 1998 veröffentlichte er im Sternwaldverlag seinen ersten Krimi – den „Güllelochmord“. Es folgten neun weitere, der nächste soll 2020 erscheinen. Seine Vernetzungen, Kontakte und tiefgründigen Kenntnisse der Regionalgeschichte sichern ihm Alleinstellungsmerkmale, die für ihn nicht so leicht nachahmbar sind: Jedes Delikt in seinen Krimis hat einen historischen Hintergrund und greift diesen in der Gegenwart auf. So findet beispielsweise im „Hexenschuss“ eine Aufarbeitung der Löffinger Hexenprozesse um 1635/36 statt. Der Protagonist Alfred, ein hedonistischer Lokalreporter, den Weis selbst als Schwerenöter bezeichnet, klärt die Fälle auf. Alfred ist Weis’ früheres Ich aus der Zeit als Student, dessen Erlebnisse er geschickt in die Geschichten einwebt. Doch nicht nur an dieser Stelle besteht ein Bezug zur Realität: Alle Orte, Gebäude, Institutionen und Menschen, die regionale Bekanntheit erfahren, existieren tatsächlich:

„Ich erfinde da keine Namen, es ist dann eben der Uhren Brunner und das Geschäft vom Gutscher, wenn der Held in eine Kneipe geht und da steht ein Wirt an der Theke, dann nehme ich den, den’s wirklich gibt!“

Zwei Regeln gibt es für Weis allerdings: Die Menschen, die nicht erfunden sind, dürfen niemals Opfer oder Täter sein. Sie treiben die Geschichte lediglich voran. Ferner sind seine Krimis nie blutig, denn sie sollen kein Bild eines „schwarzen Schwarzwaldes“ zeichnen, sondern die Region augenzwinkernd „auf die Schippe nehmen“.

Roland Weis hat seine Nische als Autor also gefunden – mit fundiertem Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge und einer guten Schreibidee. Diejenigen, die gerne schreiben, finden in seiner hier erzählten Geschichte vielleicht Mut und Inspiration für eine eigene druckreife Zukunftsplanung.

 

Bild: privat

 

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