Odyssee Jobsuche: „Wo werde ich heute in einem Jahr sein?“

Odyssee Jobsuche: „Wo werde ich heute in einem Jahr sein?“

Das war eine von vielen Fragen, die sich meine Freundin Mona als baldige Studienabsolventin während ihrer Jobsuche stellte. Heute ist sie frisch gebackene Volontärin bei einem Literaturbüro und redet mit mir über die persönlichen Herausforderungen, Zweifel und Einsichten, die sie während dieser Zeit begleiteten.

Ausgangspunkt Studium

Mona und ich treffen uns in der Wohnung einer alten Schulfreundin. Wie so oft, wenn wir in der Heimat sind, machen wir es uns auf dem gemütlichen Sofa bequem und sind rasch in unser Gespräch vertieft. Im Gegensatz zu den meisten Schulkamerad*innen aus unserer Kleinstadt, entschied sich Mona nach dem Abitur für ein klassisches geisteswissenschaftliches Studium. Als Literaturliebhaberin, die sich schon als zehnjähriges Mädchen für Goethes Werther begeistern konnte, war die Wahl für sie einfach: Germanistik und Kulturgeschichte sollten es sein. Poetischer Weise zog es sie dafür in das „liebe, närrische Nest“[1] Jena, in dessen Straßen schon Goethe und Schiller ihre Freundschaft und einige Inspiration fanden.

War schon immer klar, in welches Berufsfeld es gehen soll?

Nicht ganz – denn mit jedem Semester änderte und entwickelte sich Monas Vorstellung von dem Berufsfeld, in dem sie später einmal arbeiten wollte, weiter. Von der Arbeit im Bereich Medien und Journalismus verlagerte sich ihr Interesse bald immer mehr auf das Feld der kulturellen Bildung: „Ich habe einfach gemerkt, was das für ein interessantes Feld ist, einmal Leuten im klassischen Sinne etwas beizubringen, und dann noch zu  Themen, die mich eben wahnsinnig faszinieren.“ Für diesen Sinneswandel waren vor allem die praktischen Erfahrungen ausschlaggebend, die Mona durch diverse Seminare, Praktika und erste Anstellungen sammeln konnte – das Erarbeiten autodidaktischer Führungen, Einblicke in den Bereich der Autorenförderung, Praktikumserfahrungen bei einer lokalen Fernsehredaktion und vor allem eine freie Mitarbeit bei der Weimarer Klassik Stiftung. „Dadurch, dass ich verschiedene Sachen ausprobiert habe, habe ich gemerkt, was mir wirklich liegt oder wo ich meine Studieninhalte eben auch wunderbar mit einbringen kann, was mir sehr wichtig war“. Diese Einsichten spiegelten sich schließlich auch in der Wahl ihres Master-Studiums wider, die auf den praktisch orientierten Studiengang Kulturmanagement und Kulturpädagogik im – nicht ganz so poetischen – Mönchengladbach fiel.

Wann begann die Jobsuche?

Nach den ersten zwei Semestern des Master-Studiums drängten sich für Mona immer mehr Fragen nach dem wo, wie und wann ihrer zukünftigen Arbeitsstelle auf. In Zeitungen, über Bekannte und Portale wie kulturmanagement.net machte sie sich das erste Mal aktiv auf die Suche nach interessanten Stellenangeboten. Es folgten mehrere Bewerbungsschreiben und das erste Vorstellungsgespräch, welches allerdings – trotz des guten ersten Eindrucks auf beiden Seiten – nicht zu einer Einstellung führte. Als sich am Ende des 3. Semesters auch noch ein Studientief einstellte und ihre Zukunftsvorstellungen ins Wanken brachte, entschied sich Mona für eine Auszeit: „Ich wollte den Kopf frei bekommen und mir nochmal bewusst werden, was ich wirklich möchte, und hab mich dann bewusst dazu entschieden, ein Semester frei zu nehmen – für mich, für eine Reise und Ideen, die ich noch hatte. Das habe ich dann auch gemacht.“

Gab es Momente des Zweifels?

„Schon während ich noch auf der Reise war, kamen diese Paniksätze hoch: ‚Du musst ja noch diese Masterarbeit schreiben‘, ‚Wo führt das Ganze hin?‘ und ‚Wo werde ich heute in einem Jahr sein?‘. Denn das war im 4. Semester und ich dachte mir, klar, jetzt hab ich noch ein Semester, in dem ich diese Arbeit schreibe, und dann plane ich eigentlich im nahtlosen Übergang dazu einen Job zu haben. Das war plötzlich so nah und dann haben mich diese Fragen nächtelang wachgehalten.“ Auch während des Schreibens ihrer Masterarbeit und nachdem Mona die Jobsuche wieder aufgenommen und intensiviert hatte, verfolgten sie Zweifel: „Vor allem immer dann, wenn ein Vorstellungsgespräch doch nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Nach solchen Begegnungen zweifelte Mona an ihrem angestrebten Stellenprofil, an der kulturellen Bildung als richtige Branche, an der Wahl ihres Studiengangs und schließlich auch an sich selbst.

Was für Einsichten ergaben sich aus den Herausforderungen?

„Es wird definitiv nicht so sein, dass der richtige Job einfach an deiner Tür klopft, man muss die Augen offenhalten und sich fragen: ‚Was ist mir wichtig?‘, ‚Wie möchte ich arbeiten?‘ und ‚Was für ein Umfeld wünsche ich mir?‘“ Bei der Beantwortung dieser Fragen halfen Mona neben ihren praktischen Erfahrungen auch die Recherchen im Zuge ihrer Masterarbeit über Cultural Leadership im Museum. Sie entschloss sich, neben Stellen in Museen auch im Bereich der Autorenförderung und Literaturfestivals zu suchen. So landete sie schließlich bei einem Bewerbungsgespräch für ein Volontariat in einem Literaturbüro, bei dem es direkt auf beiden Seiten funkte: „Für mich war das eine Bauchentscheidung. Dass ich direkt zusagte, konnte ich auch gut vor mir selbst rechtfertigen, denn ich habe gespürt, dass es für mich gerade erstmal in eine andere Richtung gehen sollte. Das hat sich dann auch richtig angefühlt.“

Was könnte anderen Jobsuchenden auf ihrem Weg helfen?

„Das Allerwichtigste ist die innere Einstellung. Man darf sich einfach nicht unter Druck setzen, muss Vertrauen haben, dass das Richtige schon kommt.“ Wenn es um Vorstellungsgespräche geht, ist Mona sich sicher: „Am besten ist es, man bleibt authentisch, ehrlich und überzeugt damit, wie man ist, und mit den Kompetenzen, die man hat.“ Und auch, wenn zwischen dem abgeschlossenen Studium und dem ersten Job etwas Leerlauf entsteht, kann diese Pause aus Monas Erfahrung auf vielen Ebenen wertvoll sein: „Man kann diese Zeit wunderbar nutzen, um sich selbst weiterzubilden.“ Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel eine Reise ins Ausland, um selbstständiger zu werden und mögliche Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern. Für Mona hat dies gleich zwei Vorteile: So ist die Zeit der Unwissenheit nicht nur sinnvoll genutzt, sondern man „bringt für die nächste Vorstellungsrunde auch das nötige Selbstbewusstsein mit.“

 

[1] Zitat von Goethe aus einem Briefwechsel mit Carl Friedrich Zelter.

Weiterführende Links:
www.kulturmanagement.net
www.museumsbund.de

Quellenangabe Bildmaterial: Mareike Dolata

 

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