Paramount Pictures Presents: Berufseinstieg in der Medienbranche

Paramount Pictures Presents: Berufseinstieg in der Medienbranche

Die Medienbranche bietet für Geisteswissenschaftler*innen interessante Jobs. Wie es ist, als Berufseinsteigerin in einem großen Unternehmen wie Paramount zu arbeiten, erzählte mir Antonia, die seit eineinhalb Jahren dort im Marketing tätig ist.

An einem Freitagvormittag Ende August machte ich mich auf den Weg nach Unterföhring, dem Medienstandort bei München. Dort hatte ich mich mit Antonia verabredet, die ich durch eine gemeinsame Freundin kennenlernte. Wir trafen uns in ihrer Mittagspause nicht weit von ihrem Büro auf einen Kaffee und unterhielten uns über ihren Job bei Paramount.

Antonia ist 25 Jahre alt und arbeitet nun seit eineinhalb Jahren als Marketing Administrator bei Paramount. Studiert hat sie Politikwissenschaft im Hauptfach und Kultur- sowie Medienwissenschaft in den Nebenfächern. Nach dem Bachelor-Abschluss absolvierte sie ein Praktikum in der PR-Abteilung eines Automobil-Unternehmens, sowie im Projektmanagement bei ProSieben. Dann begann sie einen Job bei einer Design- und Kommunikationsagentur, stellte aber noch während der Probezeit fest, dass es ihr dort nicht gefällt und machte sich auf die Suche nach etwas anderem. So beschloss sie, sich auf eine Berufseinsteiger-Stelle bei Paramount zu bewerben. Nach drei Runden Bewerbungsverfahren, bestehend aus Interviews am Telefon, mit dem Finance Director, sowie mit der Geschäftsführung, bekam sie schließlich eine Zusage.

Tätigkeitsfeld Marketing

In ihrem Job ist Antonia für die administrative Seite des Marketings zuständig. Sie macht also kein Kreativ-Marketing, sondern ist hauptsächlich für die Budgets verantwortlich. Dafür wurde sie eingestellt, doch durch eine Umstrukturierung kamen auch weitere Aufgaben dazu.

„Ich bin tatsächlich als Stabsstelle angestellt, das heißt ich bin keiner Abteilung zugeordnet, sondern stehe unter den Managern und reporte an die. Wenn die von mir irgendwelche Berichte brauchen oder Auswertungen zu Kampagnen oder Kostenaufstellungen, bin ich quasi der Springer und mache mittlerweile auch regelmäßig Reportings, die ich zwei Mal in der Woche verschicke“.

Außerdem ist sie die Schnittstelle zur Sales- und Finanzabteilung. Weil sie Zugriff auf alle Daten und Informationen hat, leiten die verschiedenen Manager*innen Anfragen an Antonia weiter, damit sie das erforderliche Material zusammenstellt. Über die besagte Umstrukturierung ist Antonia sehr glücklich, denn zu Beginn fühlte sie sich ein wenig unterfordert. Jetzt freut sich über die neuen abwechslungsreichen Aufgaben. Durch ihren Job konnte sie außerdem zentrale Abläufe in der Film-Branche kennenlernen, auch außerhalb ihres Bereichs. Zum Beispiel wie ein Film ins Kino kommt oder zu diversen Online-Anbietern und wie danach Deals mit TV-Sendern zustande kommen.

Mehr zu Quoten, Einspielergebnissen und über ihren Arbeitsalltag im internationalen Film-Business erzählt Antonia im Audio-Ausschnitt:

 

„Ich find’s sehr interessant, mal in so einem größeren Konzern zu arbeiten“

Paramount Pictures ist eine US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft und Teil des Viacom-Konzerns, zu dem u.a. auch MTV oder Nickelodeon gehören. Ich fragte Antonia, wie sie es findet, in einem so großen Unternehmen zu arbeiten. „Also wir sind in Deutschland tatsächlich nur 30 Leute. In dem Sinn sind wir ein kleines Unternehmen“, erklärte sie. Diese Mischung aus einem kleineren Unternehmen vor Ort und einem weltweit großen sei sehr interessant. Das bemerkte ich später auch bei einem kurzen Büro-Rundgang. Die Räumlichkeiten befinden sich seit der Umstrukturierung alle auf einem Stockwerk. Es fühlt sich mehr nach Agentur an als nach einem weltweiten Konzern.

Über ihre Kolleg*innen meint Antonia: „Also ich muss ehrlich sagen, Paramount, das ist das beste Team,in dem ich bis jetzt gearbeitet habe.“ Es gäbe eine gut funktionierende Zusammenarbeit, flache Hierarchien und eine entspannte Atmosphäre. Vor allem im Vergleich zu einem anderen Praktikum, bei dem es hieß „Ellenbogen raus“ und Fokus auf seinen eigenen Vorteil, sei ein solches Arbeitsklima sehr angenehm. Das Team besteht aus Menschen verschiedener Altersklassen. Berufstechnisch kommen aber die meisten aus der Filmbranche: Manche waren vorher in unterschiedlichen Bereichen bei Disney tätig, andere bei Warner. Ein Kollege konnte sich sogar von einem Job im Kino Schritt für Schritt hocharbeiten.

Möglichkeiten für Geisteswissenschaftler*innen

Einen Einstieg bei Paramount kann ein Praktikum ermöglichen. Laut Antonia macht das Unternehmen es im Normalfall möglich, dass Praktikant*innen, die dort bleiben möchten, auch einen Platz bekommen. Meist können sie eine Zeit lang als Trainee arbeiten und bekommen danach eine Stelle. Wenn man bereits ein wenig praktische Erfahrung hat, kann man sich, wie Antonia, auf Berufseinsteiger-Stellen bewerben, bei denen keine jahrelange Berufserfahrung vorausgesetzt wird. Paramount sei außerdem offen gegenüber Bewerber*innen ohne spezifische Vorkenntnisse, z.B. in Finanzen. Antonias Studium hatte sie auf diesen Bereich nicht vorbereitet, jedoch konnte sie es sich schnell aneignen und stellte dabei auch fest, dass sie sich gerne damit beschäftigt. Dadurch wurden mir zwei Sachen (erneut) bewusst: 1. Geisteswissenschaftler*innen sind in der Lage, Neues schnell zu lernen und 2. Es ist durchaus sinnvoll, einfach mal einen Job auszuprobieren, denn vielleicht kann man dabei erkennen, welche Tätigkeiten einem (nicht) gefallen.

Als ich meine Interviewpartnerin fragte, ob und auf welche Weise sie Kompetenzen aus dem Studium einsetzen kann, meinte sie, dass vor allem Methodenkenntnisse wie Datenauswertung recht hilfreich waren. Erfahrung und Sicherheit sowohl im eigenständigen, als auch in Gruppenarbeiten seien ebenfalls wichtig. Außerdem sei ihr das Arbeiten in einem multinationalen Umfeldder Kontakt mit Kolleg*innen im Ausland durch eine Sensibilisierung dafür in der Politik- und Kulturwissenschaft leichter gefallen. Dadurch, dass das Haupt-Office sich in L. A. befindet, das Europa-Office in London und die Buchhaltung in Ungarn, sind interkulturelle Kompetenzen und Sensibilität für unterschiedliche Menschen sicherlich von Vorteil bei diesem Job. Das Studium der Medienwissenschaft ermöglichte ihr einen Einblick in die unterschiedlichen Medien, die nun in ihrem Job eine Rolle spielen. Dies zeigt, dass die Kombination der Haupt- und Nebenfächer ebenfalls bedeutend für die Jobauswahl sein kann.

Die Medienbranche ist, glaube ich, für Geisteswissenschaftler nicht verkehrt.“

Viele von Antonias ehemaligen Kommiliton*innen sind heute in der Medienbranche tätig. Für sie persönlich ist wichtiger, dass die Arbeit Spaß macht, als dass man damit viel Geld verdient: „Die Medienbranche ist jetzt nicht die Branche, wo man das Geld machen kann. Aber die Frage ist halt, ob man das muss.“ Laut ihrer Einschätzung ist für Geisteswissenschaftler*innen ein Einstieg in diesem Bereich gut möglich und auch durchaus sinnvoll. Je nach Arbeitsstelle können sowohl theoretisches Wissen, als auch praktische Kompetenzen aus dem Studium eingesetzt und Neues zur Not schnell erlernt werden. Selbst wenn der Job in der Medienbranche nur als Berufseinstieg dient und man sich doch für etwas anderes entscheidet: So hat man wieder mehr über die eigenen Wünsche und Interessen gelernt und bringt neue Erfahrungen für den nächsten Job mit.

 

Fotos: Inessa Pelitschev

 

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