Praktikum im Museum: Erwartungen, Erfahrungen und warum ich wieder auf der Suche bin

Praktikum im Museum: Erwartungen, Erfahrungen und warum ich wieder auf der Suche bin

Praktika sind nicht nur gut, um herauszufinden, was man will, sondern auch, was man nicht will. Bevor ich meine Praktika im Regionalmuseum und bei den Städtischen Museen angefangen habe, hatte ich bestimmte Erwartungen an die Praktika und an die Institution Museum geknüpft…

Warum gerade Museum?

In der Studiengangbeschreibung meines Bachelors Europäische Ethnologie wurde darauf verwiesen, dass ein mögliches Berufsfeld das Museum sei. Bis letztes Jahr im April war mein Plan A, bei der Berufsauswahl einen Job im Museum zu finden. Nach meinen Praktika in zwei verschiedenen Museen hat sich das geändert. Nicht etwa, weil ich schlechte Erfahrungen gesammelt habe, ganz im Gegenteil, die Praktika waren gut: Ich habe die Abläufe hinter den Ausstellungskulissen und nette Menschen kennengelernt. Ausschlaggebend waren die Fragen, die ich mir nach den Praktika selbst stellte: Wie möchte ich mein Berufsleben gestalten? Wie verbinde und balanciere ich Berufs- und Privatleben?

Seit ich klein bin, finde ich Museen faszinierend und kenne sie nur von außen. Natürlich war ich schon in Ausstellungen, aber die Abläufe im Hintergrund und wie eine Ausstellung zu dem wird, was sie ist – das alles kenne ich nicht. Außerdem muss ich mir eingestehen, dass ich durch diesen oberflächlichen Blick eine romantisierte Vorstellung von der Institution Museum hatte. Um einen umfassenderen Einblick ins Museum und dessen Abläufe zu bekommen, habe ich mich fürs Praktikum im Museum entschieden. Bei der Suche nach Praktikumsplätzen hatte ich zunächst vernachlässigt, ob das Museum einen Schwerpunkt auf Volkskunde bzw. Kulturanthropologie legt. Schließlich habe ich die Praktika letztes Jahr im Mai und Juni 2018 absolviert (im Rahmen meines Bachelors Europäische Ethnologie). Im Mai war ich in einem kleineren Regionalmuseum, dessen Fokus auf Archäologie und (Regional-)Geschichte liegt und im Juni bei den Städtischen Museen, dessen Häuser hauptsächlich Kunst und Geschichte ausstellen.

Nachdem ich nun praktische Erfahrungen im Museumsbereich gesammelt habe, bin ich von meinem ursprünglichen Plan im Museum zu arbeiten, abgekommen. Mittlerweile studiere ich Kulturanthropologie im Master an der Uni Freiburg und überlege mir einen Plan B zum Museumsjob.

Aufgaben & Soft Skills

Meine Aufgaben im Museum lassen sich am besten so zusammenfassen: man erledigt größtenteils das, was einem zugeteilt wird, und der Rest ist Eigeninitiative. Das alles kann ein weites Aufgabenfeld sein: Ich habe Objekttexte verfasst, Dokumente und Ausstellungen in digitaler Form archiviert, den Telefondienst übernommen, Protokolle von Dienstbesprechungen verfasst und bei einer Kurz-Inventarisierung geholfen.

Die Soft Skills aus dem Studium, die mir erst während meiner Praktikumszeit bewusst geworden sind, haben mir vor allem bei der Recherche und dem Verfassen der Ausstellungstexte für einzelne Exponate weitergeholfen: das Einarbeiten in (fach-)fremde Themen, das Herausfiltern von wichtigen Informationen und sich dem „Genre” von Ausstellungstexten zu nähern. Darauf konnte ich aus meinem Erfahrungsfundus von meinen vielzähligen Hausarbeiten/ Essays/ Protokollen im Studium zurückgreifen.

Ich finde, eine der Stärken unseres Faches liegt darin, gewisse Prozesse, Dinge (wie Exponate) oder Handlungen unterschiedlich zu betrachten und sie zu hinterfragen. Ich nutze das gerne, wenn ich gedanklich feststecke und habe es auch auf die Situation im Museum übertragen. Wer weitere Soft Skills aus dem Studium sucht, möchte ich an dieser Stelle auf den Artikel von Nanna Knaup verweisen. Sie gibt einen Überblick über Soft Skills, die nützlich im Berufsfeld Museum sind.

Meine Praktika-Erfahrung

Gehalt
Ich habe lange überlegt, wie ehrlich ich sein kann, ohne die unterschriebenen Verträge mit den Museen zu verletzen. Ich kann aber sagen, dass sich in Gesprächen mit einzelnen Personen herauskristallisiert hat, dass bestimmte Jobs nicht gut bezahlt werden, einige auf Honorarbasis sind oder das Gehalt nicht entsprechend der Berufserfahrung angepasst wird. Das trifft natürlich nicht auf alle Museen zu, dennoch sollte man es im Hinterkopf behalten.

Befristete Verträge & flexibel sein
In einem Gespräch erzählte mir Sara (Name geändert), die gerade als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Städtischen Museum arbeitet, dass sie für die Stelle 16 Monate hier vor Ort wohne. Davor war sie in einer anderen Stadt und im Anschluss wird sie für einen weiteren befristeten Vertrag nach Frankreich gehen, um dort bei einer anderen Ausstellung mitzuwirken. Aber auch MuseumsdirektorInnen sind viel unterwegs, da sie als Repräsentationsfiguren und LeiterInnen des Museums Einladungen annehmen und weitere Außentermine, wie beim lokalen Radio, wahrnehmen.

Anforderungen
In diversen Gesprächen hat sich immer wieder herausgestellt, dass ein Masterabschluss Voraussetzung für den Museumsbereich ist. Der erste Schritt danach ist das Volontariat.

Büroarbeit
Dieser Aspekt hat mich am meisten überrascht. Es war erstaunlich, wie viel Büroarbeit nötig ist und wie oft am PC gearbeitet wird. Je nach Größe des Museums kann auch für die MuseumsdirektorIn einiges an Büroarbeit anfallen. Wie die Museumsdirektorin des Regionalmuseums meinte: „Ich bin nicht nur Museumsdirektorin, sondern auch Sekretärin hier (lacht)”. Die (interne) Kommunikation bei mehreren Häusern läuft oft über E-Mails oder Telefon.

Fazit: Und nun? 

  • Macht weiterhin Praktika in Museen!!
  • Eigene Erfahrungen geben die besten Einblicke
  • Ehrenamtliche Arbeit kann als Einstieg dienen (Ausblick zum Volontariat)
  • Seid offen für fachfremde Museen, denn ihr lernt sehr viel über (interne) Abläufe, wie die Kommunikation funktioniert und die Soft Skills aus dem Kulturanthropologiestudium lassen sich super übertragen
  • Wenn sich die Situation während des Praktikums anbietet, einfach mal konkret nach der Berufsrealität im Museum fragen – frei nach dem Motto: „Einfach mal machen, könnte ja gut werden.“
  • Informiert euch über die verschiedenen Jobs im Museum: MuseumsdirektorIn, PR und Presse, wissenschaftliche MitarbeiterIn, RestauratorIn, Volontariat, Direktion (Orga & Auskunft), Museumspädagogik etc.

 

Bildnachweis: Una Laurencic, https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-kunst-kreativ-entspannung-20967/

 

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