Über den eigenen Schatten springen

Über den eigenen Schatten springen

Ein Praktikum beim Radio kann nicht nur für zukünftige RadiosprecherInnen interessant sein. Der Einblick in verschiedenste Aufgabenbereiche lässt PraktikantInnen Erfahrungen im professionellen Arbeiten sammeln.

Das Studio der Wüste-Welle befindet sich etwa drei Kilometer außerhalb der Tübinger Innenstadt. Über einen kleinen Trampelpfad gelange ich an meinem ersten Tag zu den Räumen des freien Radios. Es ist kurz vor 10 Uhr und noch kaum jemand anzutreffen. Einer der Hauptverantwortlichen empfängt mich. Jetzt muss es schnell gehen. Um 10 Uhr geht die Live-Sendung los. Die Nachrichten werden noch gedruckt und das Studio vorbereitet. Er erklärt mir kurz wie ich in das Mikrofon sprechen soll und los geht’s. Ich bin ziemlich nervös, hatte nicht erwartet am ersten Tag bereits auf Sendung zu gehen. „Da muss ich jetzt wohl durch!”, denke ich mir. Beim ersten Absatz verhasple ich mich noch, aber dann geht es immer besser. Trotzdem bin ich erleichtert, als die Sendung vorbei ist!

Eine der wichtigsten Eigenschaften, die ich mir während der Zeit beim Radio aneignen konnte, ist über meinen Schatten zu springen. Vor meinem Praktikum hätte ich mir nie zugetraut ein Live-Interview zu führen. Dann musste ich; und es hat funktioniert. Nachher hat es sogar richtig Spaß gemacht. Diese Erfahrungen haben mir Selbstvertrauen im Sprechen vor einem großen Publikum gegeben, auch wenn ich keine RadiosprecherIn werden möchte. Denn das Praktikum hat mir auch gezeigt, wie nervenaufreibend der Beruf ist. Die Radio-Shows warten nicht. Die knappen Deadlines, zu denen Beiträge zu fertigen sind und Skripte geschrieben sein müssen, lassen keine Verzögerungen zu.

Wie bereits erwähnt, gehört noch viel mehr zu der Arbeit beim Radio, als die Live-Auftritte. Zum Beispiel das Vorbereiten von – wie in meinem Fall – Beiträgen kultureller Veranstaltungen. Hierfür durfte ich Theaterstücke oder Diskussionsrunden besuchen. Dabei musste ich Eindrücke des Events und Meinungen der Gäste festhalten, daraus Beiträge schneiden und Kurzzusammenfassungen für den Onlineauftritt verfassen. So bekam ich ein Gefühl dafür wie ich mit wenigen Worten die Aufmerksamkeit der LeserInnen gewinnen und für den Beitrag interessieren kann.

Neben den Erfahrungen in Eigenverantwortung meine Arbeit zu organisieren, lernte ich im Team zu arbeiten. Gerade bei Events, bei denen live gesendet wird, muss die Zusammenarbeit funktionieren. Absprachen müssen eingehalten werden, damit der Ablauf der Sendung reibungslos verläuft. Dabei lernte ich vor allem aus den Diskussionen um die Arbeitsaufteilung zwischen Parteien zu vermitteln und Kompromisse einzugehen, da es sich bei der Wüste-Welle um ein nicht hierarchisch organisiertes Radio handelt.

Aus einem Praktikum beim Radio könnt ihr also einiges lernen, das für verschiedenste Berufe von Vorteil sein kann. Dabei empfehle ich euch, das Praktikum bei einem freien Radio zu absolvieren. Hier habt ihr sehr viel mehr Möglichkeiten wirklich selber aktiv mitzumachen und so praktische Arbeitserfahrungen zu sammeln.

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