Von Anträgen und der römischen Antike – Mein Praktikum in der öffentlichen Kulturarbeit

Von Anträgen und der römischen Antike – Mein Praktikum in der öffentlichen Kulturarbeit

Was bedeutet es in der öffentlichen Kulturarbeit tätig zu sein, welche Arbeitsbereiche und Aufgaben gibt es dort? Bei einem Praktikum im Kulturamt habe ich mehr darüber erfahren.

Der Geruch von Holzfeuer liegt in der Luft, von fern ist das Grölen der Gladiatorenkämpfe zu hören und vor mir steht ein Mann, der eine Tunika trägt. „Salve“, sagt er freundlich, „wo sind denn hier die Toiletten?“ Ich befinde mich nicht etwa am Drehort eines Historienfilms, sondern in einem Kassenhäuschen auf dem Römerfest des archäologischen Parks in Kempten. Doch wie bin ich hier gelandet? Das Fest fiel genau in die Zeit meines Praktikums im Kulturamt dieser Stadt. Neben zahlreichen anderen Aufgaben nahm die Organisation dieser Veranstaltung einen großen Teil davon ein und ich habe auch am Fest selbst mitgearbeitet. Von meinen Erfahrungen hier möchte ich berichten, auch im Vergleich mit einem Praktikum in einem anderen Kulturamt.

Hier ein paar Impressionen von besagtem Römerfest: 

 

Von der Bewerbung zum Praktikum

Mein Praktikum hat nicht beim Römerfest begonnen. Im Vorfeld stand die Idee, Einblicke in die Arbeit eines Kulturamts zu erhalten. Da ich bei früheren Bewerbungen anfangs nur Absagen erhalten hatte, habe ich mich für mein zweites Praktikum schon über ein halbes Jahr im Voraus beworben. Diesmal habe ich gleich mehrere Zusagen bekommen, auch weil ich zeitlich flexibler war und schon Erfahrungen aus dem ersten Praktikum mitbrachte. Beide Male gab es kein Bewerbungsgespräch. Ich hatte nur telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit der Einrichtung und deshalb nur eine vage Vorstellung davon, was mich erwarten würde, von den Räumlichkeiten, meinen Vorgesetzten und dem Team, in dem ich drei Monate arbeiten würde. Das änderte sich gleich am ersten Tag, als mich mein Betreuer herumgeführt, mir die verschiedenen Abteilungen gezeigt und die Mitarbeiter*innen vorgestellt hat. Das besondere bei diesem Kulturamt ist, dass die städtischen Museen und der archäologische Park ihm angegliedert sind. Während meiner Zeit dort durfte ich deshalb auch die verschiedenen Einrichtungen besuchen.

Einblicke in die Kulturverwaltung

In diesem Kulturamt gibt es eine Amtsleitung, eine Abteilung für die Museen und den Park mit eigenen Leiter*innen und jeweils mehreren Mitarbeiter*innen. Außerdem befinden sich hier die Abteilungen für Kulturmanagement und Verwaltung, wo ich hauptsächlich eingesetzt wurde. Die einzelnen Projekte wurden in Teamarbeit realisiert, mehrere Abteilungen arbeiteten dazu eng zusammen. Viele Personen teilten sich verschiedene Aufgabenbereiche und es gab nur wenige Vollzeitstellen. Die Mitarbeiter*innen kamen dabei aus unterschiedlichen Bereichen, von der Verwaltung über Marketing bis hin zur Archäologie war alles vertreten. Ich hatte keinen festen Arbeitsplatz, sondern begab mich immer wieder morgens auf die Suche nach einem freien PC. Das war auch von anderen Praktikant*innen oder Auszubildenden abhängig. Eine Zeit lang habe ich sogar das Chefbüro benutzt, weil das der einzig freie Arbeitsplatz war. Der Umgang im Team war größtenteils sehr informell, die meisten Kolleg*innen boten mir schon in der ersten Woche das „Du“ an.

Anfangs habe ich vor allem kleine Aufgaben bekommen, wie Recherchen oder kurze Texte zu schreiben, die schnell zu erledigen waren. Da gab es immer wieder Momente, in denen ich nichts zu tun hatte und befürchtete, meinen Kolleg*innen mit ständigen Fragen nach neuen Aufträgen auf den Geist zu gehen. Aber da gegen Ende des Praktikums das Römerfest anstand, wurden die Aufgaben immer mehr und auch immer selbständiger zu bearbeiten. Zunächst ging ich einigen Verwaltungstätigkeiten nach. Zum Beispiel habe ich für verschiedene Anlässe Schreiben aufgesetzt, für Einladungen zu Veranstaltungen, als Antwort auf Förderungsanfragen von Vereinen oder für den Versand von Flyern. Ich musste Telefonate entgegennehmen, habe bei Besprechungen Protokoll geführt oder mir Änderungsvorschläge für die Raumverwaltung überlegt. Mich hat überrascht, mit welchem bürokratischen Aufwand selbst kleine Projekte verbunden sein können und welche große Rolle auch die Interessen der Stadtverwaltung spielen. Diese Aufgaben wurden allerdings weniger, je näher das Römerfest rückte.

Mitarbeit bei der Organisation des Römerfests

Die Veranstaltung wurde vollständig vom Kulturamt organisiert, beworben und durchgeführt. Mein Praktikum begann drei Monate zuvor, die inhaltlichen Konzepte und das Programm waren bereits früher festgelegt worden. Schon bei meinem ersten Praktikum hatte ich festgestellt, dass die Planung größerer Veranstaltungen meist schon mindesten ein halbes Jahr im Voraus beginnt und dabei parallel zu anderen Projekten läuft. Ich wurde in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt und habe Druckmedien wie Flyer und Programmhefte Korrektur gelesen und einzelne Texte dafür geschrieben. Ich habe beteiligte Darsteller*innen über Abläufe informiert, Informationen über ihr Programm angefordert und nebenbei Spannendes über sie erfahren. Teilweise habe ich Pressetexte aufgesetzt, aber auch Plakate und Flyer in der Stadt verteilt. Auch an der Suche nach Helfer*innen war ich beteiligt, habe für diese Infomaterialien erstellt, ihre Einarbeitung vorbereitet und zahlreiche Rundmails verschickt. Außerdem war ich dafür zuständig, Sponsoren zu finden für die Sachpreise einer Tombola und die Gewinne nach dem Fest zu verschicken.

Kurz vor den Veranstaltungen standen die Aufbauarbeiten an. Schilder mussten gedruckt, laminiert und auf dem Gelände des archäologischen Parks verteilt, Kassenhäuschen bestückt und dekoriert werden. In den letzten zwei Wochen waren wir plötzlich drei Praktikantinnen und so konnte ich Aufgaben an die anderen weitergeben, musste sie aber auch als „Dienstälteste“ betreuen. Auch an der Veranstaltung selbst war ich im Einsatz und habe zwei Tage lang an einem Kassen- und Informationsstand auf dem Gelände gearbeitet. In den Pausen konnte ich mich unter die Festbesucher*innen mischen und endlich selbst anschauen, worüber ich wochenlang Beschreibungen gelesen und Texte geschrieben hatte. Ich konnte den Klängen historischer Instrumente lauschen, das Handwerkerlager besuchen und römische Reiter in Aktion sehen. An der Begeisterung der Gäste konnte ich den Erfolg des Festes ablesen, bekam am Infostand aber auch die Kritikpunkte mit. Wir haben außerdem Umfragen verteilt und diese in der Woche danach ausgewertet. Hier konnte ich auf Tabellen vorheriger Jahre zurückgreifen und habe wieder einmal festgestellt, dass einzelne qualitative Gespräche eine sinnvolle Ergänzung dazu darstellen könnten.

Was ich aus dem Praktikum mitnehme

Insgesamt war es spannend bei einer Großveranstaltung mitzuarbeiten und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, im Vorfeld die Zuständigkeiten genau zu klären. Ich musste aber auch feststellen, dass gerade die Endphase mit viel Stress verbunden sein kann. Gleichzeitig habe ich Lust darauf bekommen, bei einer Veranstaltung von Anfang an dabei zu sein und auch am Konzept mitzuarbeiten. Allgemein kann ich vieles aus dem Praktikum für mich mitnehmen. Mir ist zum Beispiel der Tipp eines Arbeitskollegen im Gedächtnis geblieben, am Ende des Arbeitstags die Aufgaben für den nächsten Tag aufzuschreiben, um den Überblick zu behalten. Auch habe ich gemerkt, dass es mir mit der Zeit leichter fiel, Aufgaben selbstständig zu übernehmen und zum Abschluss zu bringen.

Im Vergleich mit meinem anderen Praktikum ist mir klar geworden, dass die Arbeitsabläufe je nach Größe und Struktur des Kulturamts sehr unterschiedlich sein können. Zum Beispiel sind in kleineren Ämtern selbst die Leiter*innen mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt, in größeren gibt es einzelne Angestellte dafür. Außerdem habe ich erfahren, dass Kulturämter immer öfter externe Anbieter mit Veranstaltungen beauftragen und sich eher auf die Förderung, Kommunikation und Verwaltung von „Kultur“ konzentrieren. Hier sehe ich eine Chance für Kulturwissenschaftler*innen, Konzepte zu entwickeln und im Auftrag der Ämter durchzuführen. Zwar konnte ich mich wenig für die bürokratischen Abläufe in der Verwaltung begeistern, dafür habe ich andere Aspekte der Kulturarbeit zu schätzen gelernt. So bekommt man als Mitarbeiterin mit, was in der Stadt an Veranstaltungen, Ausstellung und ähnlichem stattfindet und hat dabei meist auch die Möglichkeit, diese zu besuchen. Man kommt in Kontakt mit Künstler*innen und Kurator*innen, mit Angestellten der Stadtverwaltung und auch Bürger*innen der Stadt. Oder kann wie in meinem Fall miterleben, wie die römische Antike für zwei Tage zu neuem Leben erweckt wird.

 

Bild: Collage von Miriam Kresser
Bilder gefunden auf Pixabay (Pexels auf https://pixabay.com/photos/archive-boxes-documents-folders-1850170/; Jacqueline Macou auf https://pixabay.com/photos/rome-roman-antique-soldier-helmet-2350633/)

 

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