Bewerbungsgespräche meistern

Bewerbungsgespräche meistern

Bei Bewerbungsgesprächen kann man ziemlich viel falsch, aber auch ziemlich viel richtig machen. Markus Tauschek, Professor am Freiburger Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, gibt Tipps aus der Praxis – als (ehemaliger) Bewerber und von der anderen Seite des Bewerbungstischs.

Ist man erst einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, hat man eine ganz wichtige Hürde zum hoffentlich ersehnten Traumjob genommen. Doch die eigentliche Herausforderung folgt erst noch: Wie überzeuge ich das Gegenüber davon, dass ich genau die richtige Person für die ausgeschriebene Stelle bin? Wie zeige ich, dass ich den Job unbedingt und ganz bewusst haben möchte und wie wirke ich dabei möglichst unverkrampft (obwohl man in diesen Situationen ja automatisch nervös ist, vielleicht eine zittrige Stimme hat und auch mal aus dem Konzept kommt)? Auf was muss man eigentlich bei einem Bewerbungsgespräch achten? Kulturwissenschaftler*innen lernen im Studium meist reichlich wenig darüber, wie es nach dem Studium weitergehen kann, wie man Bewerbungsunterlagen strategisch ausrichtet und eben auch wie man sich im Bewerbungsgespräch am besten verhält. Die folgenden Tipps sind Hinweise aus der Praxis sowohl aus der Perspektive eines Bewerbers als auch von der anderen Seite des Bewerbungstischs.

Den Raum betreten – Körpersprache – begrüßen

Der erste Eindruck zählt. Hier kann ich nur unterstreichen, was in vielen Ratgebern zum Bewerbungsgespräch steht: Es macht einen guten Eindruck, wenn man möglichst ruhig den Raum betritt, Blickkontakt in die Runde aufnimmt und offensiv alle am Tisch Sitzenden begrüßt. Zum Shake-Hands reicht die Zeit ja meistens nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich nur unterstreichen, wie wichtig es ist, wie man sitzt. Immer noch am souveränsten wirkt es, wenn man möglichst aufrecht mit den sprichwörtlichen beiden Beinen auf dem Boden dasitzt. Ein Glas Wasser oder einen Kaffee sollte man nicht ausschlagen, auch wenn man Ende vielleicht gar nichts davon trinkt.

Sich vorbereiten – kompetent sein

Häufig wird man für ein Vorstellungsgespräch gebeten, eine kurze Präsentation vorzubereiten. Zwei Dinge sind dabei besonders wichtig: Man sollte sich erstens unbedingt an den vorgegebenen Zeitrahmen halten. Fünf Minuten sind fünf Minuten. Deshalb unbedingt zuhause üben. Am besten vor Freund*innen oder sogar vor dem Spiegel. Dann sieht man auch gleich, wo etwas hakt, wo man zu schnell ist oder wo etwas fehlt. Professionell wirkt auch, wenn man beispielsweise ungefragt ein Handout mitbringt. Das zeigt, dass einem das Gespräch etwas wert ist.

Und zweitens sollten Präsentationen am Beginn des Gesprächs unbedingt gut sortiert sein. Informieren Sie doch wie bei einem guten Referat, was die Zuhörer*innen im Folgenden erwartet à la: „Sie haben mich gebeten, ein Konzept für die Neugestaltung der Museumsdidaktik mitzubringen. Ich sehe dabei drei Herausforderungen, die ich im Folgenden kurz skizzieren möchte: 1. …, 2. …, 3. …“. Dann könnte man selbstbewusst mit einem Statement starten: „Ich verstehe eine erfolgreiche Museumsdidaktik als…“. Und enden Sie ganz bewusst mit einem Fazit, einer Zusammenfassung, einem Ausblick. Ähnlich wie bei einem Referat darf man auch enden mit: „Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit“.

All das signalisiert einem potenziellen neuen Arbeitgeber, dass Sie strukturiert denken und arbeiten können, dass Sie ein Problem in der vorgegebenen Zeit auch knacken oder zumindest diskutieren können.

Souverän antworten

Bewerbungsgespräche laufen meist nach einem einigermaßen standardisierten Ablauf ab. Auf Standardfragen kann und sollte man sich vorbereiten. Fast immer habe ich als Eingangsfrage die Frage nach der Motivation der Bewerbung gehört: „Was war Ihre Motivation, sich genau auf diese Stelle mit diesem inhaltlichen Fokus zu bewerben?“Hier könnte man gleich beginnen, indem man seine eigenen Kompetenzen schildert und zeigt, wie man diese passgenau auf der Stelle einbringen kann. Interesse und Begeisterung schaden dabei auch nicht – ganz im Gegenteil. Man darf durchaus auch einmal sehr emotional zeigen, dass einen die Stelle aus den und den Gründen fasziniert.

Auf die Frage nach den Stärken und Schwächen kann man sich ebenso vorbereiten wie auf die Frage danach, wo man sich und die Stelle in fünf Jahren sieht (der Klassiker!). Bei den Antworten würde ich immer empfehlen, von den eigenen Kompetenzen heraus zu argumentieren. Also: Was bringe ich für die Stelle mit. Und dann auch gerne möglichst konkret und mit Beispielen: „Ich möchte Ihnen ein kurzes Beispiel geben: Im Rahmen eines zweisemestrigen Projekts haben wir eine Ausstellung zum Thema XY erarbeitet. Ich war unter anderem in der AG, die ein Vermittlungskonzept erarbeitet hat. Mir kam es dabei ganz besonders darauf an, dass…wie…“.

Wichtig ist es, dass man die Antworten strukturiert und nicht einfach drauf los antwortet. Aus meinen Erfahrungen von der anderen Seite des Bewerbungstischs fand ich es immer sehr schön, wenn die Bewerberin/der Bewerber gleich zu Beginn der Antwort zeigt, dass er oder sie strukturiert ist: „Ich sehe in einer modernen Museumsdidaktik zwei große Potenziale: A und B. Im Hinblick auf A ist mir besonders wichtig. Usw.“Wenn man so strukturiert antwortet, zeigt man, dass man im Thema ist, dass man sich selbst gut informiert hat und vor allem, dass man auf den Punkt kommen kann. Das ist enorm wichtig, denn meist sind Bewerbungsgespräche ja sehr kurz und man hat nicht besonders viel Zeit.

Und auch hier gilt: Üben! Überlegen Sie sich zuhause mögliche Fragen und spielen Sie die Antworten mehrfach durch. Manche Formulierungen gehen einem schwer über die Zunge. Das muss man einfach üben: „Wenn Sie sich für mich entscheiden, dann bekommen Sie eine Kulturwissenschaftlerin, die …“. Solche Sätze fallen den meisten Menschen schwer, man muss sie üben.

Das Gespräch beenden

Eine meist unterschätzte Chance bietet sich am Ende des Gesprächs. In der Regel hat man hier die Gelegenheit, selbst noch einmal Fragen zu stellen. Mehr als einmal habe ich erlebt, dass Bewerber*innen hier sagten, sie hätten keine Fragen mehr. Erstens kann man es sich kaum vorstellen, dass es nicht doch relevante Fragen geben könnte und zweitens ist das eine riesige Chance, noch einmal zu zeigen, dass man sich über die neue Stelle und den Arbeitgeber informiert hat. Hier könnte man zum Beispiel zeigen, dass man eingehend die Homepage studiert hat und noch Hintergrundwissen bräuchte: „Auf Ihrer Homepage steht, dass das Museum 2020 neu strukturiert werden soll. Vielleicht könnten Sie mir kurz erläutern, was das genau bedeutet und ob das eventuell auch Auswirkungen auf die Stelle hat.“Solche oder ähnliche Fragen findet man, wenn man sich nur gut genug informiert, eigentlich immer. Und selbstverständlich darf man auch nach dem weiteren Ablauf des Verfahrens fragen. Wenn man gar keine Frage hat, signalisiert man eher, dass man evtl. gar kein so großes Interesse an der Stelle hat.

…und sonst noch so?

Aus meinen eigenen Erfahrungen würde ich sagen, dass eine gute Vorbereitung das Wichtigste ist. Man muss sich über die neue Stelle, den Arbeitgeber, das Umfeld etc. sehr gut informieren. Und wenn man auf der Homepage nicht alles findet, kann man im Vorfeld auch einmal zum Telefonhörer greifen. Meist werden in den Stellenausschreibungen ja extra deswegen auch Ansprechpartner*innen genannt. Ich fand es immer äußerst positiv, wenn Bewerber*innen sich vor einem Gespräch oder schon vor der Bewerbung per Telefon informiert haben.

Und dann noch zum Thema Nervosität: Alle im Raum wissen, dass Bewerbungsgespräche Ausnahmesituationen sind. Deshalb ist es auch gar kein Problem, wenn man mal nervös wirkt. Wichtig ist aber, dass man sich dann möglichst schnell wieder fängt. Und am einfachsten gelingt das, wenn man vorher übt. Leider ist das Sprichwort „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ noch nicht gegendert, sonst hätte ich diesen Beitrag damit beendet und dann gleich noch auf die Meisterinnen hingewiesen.

Ach ja: Als Kulturwissenschaftler*innen wissen wir ja auch um die Bedeutung materieller Kultur, insbesondere der Kleidung. Auf gar keinen Fall kann es schaden, wenn man sich vor dem Gespräch sehr bewusst überlegt, was man anziehen will – angemessen sollte es eben sein (auf „Kleider machen Leute“ verzichte ich jetzt wohl besser…).

 

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