Kritisch. Selbständig. Mutig.

Kritisch. Selbständig. Mutig.

Was zeichnet Studierende der Kulturanthropologie aus? Oft ist Studierenden nicht bewusst, welche Kompetenzen sie während ihres Studiums erworben haben. Wir bringen Licht ins Dunkel!

Viele Institute werben auf Infoseiten für ein Studium mit Sätzen wie: „Neben allgemeinen wissenschaftlichen und spezifisch fachwissenschaftlichen Qualifikationen werden praxis- und berufsrelevante Kompetenzen erworben“[1]. Aber was genau sind diese „berufsrelevanten Kompetenzen“? Beschreibungen dieser Art sind verwirrend und zu wage, als dass potenzielle Studierende herauslesen können, mit welchen Kompetenzen sie das Studium beenden werden. Um das Kind beim Namen zu nennen und endlich präziser zu werden, sind in diesem Beitrag 6 Kompetenzen, die Studierende der Kulturanthropologie und der Europäischen Ethnologie (KA/EE) während des Studiums erwerben, aufgelistet. Die Liste soll auf berufsrelevante Kompetenzen von Studierenden der KA/EE aufmerksam machen und eine Anregung sein, die Liste der eigenen Kompetenzen zu erweitern.

  1. Kritisch Denken & Hinterfragen

Eine Kompetenz, die Studierende erwerben ist kritisches Denken und Dinge zu hinterfragen, die häufig als selbstverständlich wahrgenommen werden. Kritisches Denken gegenüber Literatur, Meinungen, Systemen und Handlungen von Menschen ist eine Kompetenz, die während des Studiums gefördert wird. Hinterfragen und Reflektieren von scheinbar gegebenen Umständen wird während des Studiums der KA/EE gelehrt und geübt. Während des Semesters geschieht dies durch das Lesen und Besprechen von Texten in Seminaren. In der vorlesungsfreien Zeit lernen Studierende durch das Schreiben von Hausarbeiten, Themen kritisch zu betrachten, zu hinterfragen und zu reflektieren. Durch eine intensive Auseinandersetzung werden Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet und neue Sichtweisen aufgeworfen.

  1. Intensives Auseinandersetzen & selbständiges Arbeiten

Der Großteil der erbrachten Leistungen während des Studiums geschieht über schriftliche Abgaben wie Hausarbeiten. Stures Auswendiglernen kommt im Studium der Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie selten vor. Während dem Verfassen einer Hausarbeit lesen Studierende themenrelevante Literatur, formulieren Fragen, reflektieren, werfen neue Sichtweisen auf und geben das Thema in eigenen Worten wieder. Durch diesen Prozess, der Teil von Hausarbeiten, Referaten und Forschungen ist, lernen Studierende sich intensiv mit Themen auseinander zu setzen. Die Studierenden bekommen bei Hausarbeiten, Referaten und Forschungen Hilfestellungen von ihren Dozent*innen. Der Großteil der Arbeit geschieht allerdings durch die selbständige Arbeit des/der Student*in. Dadurch wird die Eigenständigkeit der Student*innen gefördert.

  1. Vortragen & freies Sprechen

Kulturanthropologie zählt nicht zu den Fächern, bei denen 300 Studierende im Audimax sitzen und Anonymität herrscht. Die Beschreibung eines Seminarraums mit 5-30 Menschen trifft da wohl eher zu. Durch inhaltliche Diskussionen während der Lehrveranstaltung, lernen Studierende selbst zu denken, sich positionieren, eine eigene Meinung zu bilden und frei zu sprechen. Zudem sind Referate häufig fester Bestandteil der Seminare. Auch wenn Vorbereitung und Durchführung oft mühsam sind, ist es eine gute Übung für spätere Vorträge. Studierende lernen dadurch vor einem Publikum zu sprechen. Diese Kompetenz wird Studierenden schon beim Bewerbungsgespräch und auch im späteren Berufsleben zu Gute kommen.

  1. Arbeit im Team & Sensibilität im Umgang mit Menschen

Gruppenreferate oder weitere Arbeiten im Team sind im Rahmen von Lehrveranstaltungen häufiger Bestandteil des Studiums. Dies kann sich auf Gruppenarbeiten während des Seminars beziehen sowie auf Referate oder Forschungen, die im Kollektiv durchgeführt werden. Kommunikation und Kooperation sind hier besonders wichtig. Studierende lernen somit, sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen und durch Teamarbeit Problematiken zu bearbeiten. Sich mit Menschen auseinander setzen macht das Studium der KA/EE aus. Im Studium erwerben Studierende eine Sensibilität im Umgang mit Menschen. Was heißt das genau? Durch Forschungen während des Studiums setzen sich Studierende mit den unterschiedlichsten Menschen auseinander und bekommen Einblicke in deren Alltag und Meinungen. Dies ist, besonders bei politischen oder heiklen Themen oft nicht leicht. Studierende der KA/EE lernen Empathie zu üben und mit Menschen zusammen zuarbeiten, deren Hintergründe und Meinungen sich von den eigenen unterscheiden.

  1. Flexibilität

Kaum eine Forschung läuft wie ursprünglich geplant ab. Während des Forschungsprozesses muss sich der/die Forschende immer wieder auf neue Situationen einstellen und das Forschungsvorhaben an die gegebene Situation anpassen. Forschung können aus verschiedenen Gründen ins Stocken geraten. Zum Beispiel durch einen Interviewtermin, der verschoben wird, oder durch die Schwierigkeit überhaupt Interviewpartner*innen für ein Forschungsthema zu finden. Hier heißt es umdenken, flexibel sein und einen anderen Weg finden. Auch beim Schreibprozess während einer Hausarbeit müssen Studierende oft flexibel sein und umdenken. Dadurch lernen Studierende mit schwierigen Situationen umzugehen und durch Flexibilität die weitere Durchführung eines Projekts zu ermöglichen.

  1. Mut

Studierende, die Kulturanthropologie studieren haben Mut! Mut, weil sie sich für ein Studium entschieden haben, das auf keinen bestimmten Beruf hinaus zielt. Mut, weil sie Handlungen und Ordnungen in der Gesellschaft kritisch betrachten und hinterfragen. Mut, weil sie ins Feld gehen, sich mit Menschen und soziokulturellen Problemen auseinandersetzen.

 

[1] O.A.: B.A.-Studiengang Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie. In: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Aufrufbar unter:  http://www.kaee.uni-freiburg.de/studium/index [Stand: 4.7.2018]

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Danke!!!!!

  2. Danke für diese wunderbare Zusammenstellung von Kompetenzen, die Kulturwissenschaftler*innen im Laufe des Studiums erwerben oder ausbauen.
    Vielleicht könnte man noch ergänzen, dass man im Studium auch lernt, schnell und gezielt Informationen zu einem Thema zu recherchieren und diese dann auch entsprechend zu vermitteln in ganz unterschiedlichen Kontexten und Formaten. Für viele Arbeitgeber ist gerade die Vermittlung eine ganz wichtige Kompetenz – und das lernt man bei uns ja unter anderem auch in den Lehrforschungsprojekten.
    Wichtig wäre vielleicht noch zu betonen, dass Kulturwissenschaftler*innen Phänomene/Probleme in ihrer Komplexität erkennen und beschreiben können. Die Dinge sind ja meist viel komplexer als sie uns auf den ersten Blick erscheinen. Gerade für die angewandte Kulturwissenschaft – etwa in Unternehmen – ist das doch auch ein ganz wichtiger Zugang, der für verschiedenste Jobs relevant ist.

Schreibe einen Kommentar