Worauf du bei Stellenanzeigen achten solltest
Foto der Acher-Rench-Zeitung (c) Kerstin Huber, 13. Juli 2019

Worauf du bei Stellenanzeigen achten solltest

Bei der Jobsuche liest man sehr viele Stellenanzeigen, die man dann beiseitelegt, weil man scheinbar nicht qualifiziert ist. Doch ist das wirklich so? Anhand meiner persönlichen Erfahrung möchte ich euch zeigen, wie wichtig es sei kann, auf die Wortwahl in den Anzeigen zu achten – denn oftmals ist ein Job nicht so unerreichbar, wie man es vermuten könnte.

Nachdem ich im vergangenen Jahr meinen Abschluss gemacht hatte, war ich zunächst nicht sicher, ob ich weiter studieren oder doch direkt ins Berufsleben einsteigen wollte. Aus diesem Grund befasste ich mich mit verschiedenen Stellenanzeigen und schrieb mehrere Bewerbungen für Ausbildungsstellen oder Volontariate. Doch obwohl ich einige Vorstellungsgespräche bekam, fand ich keine Anstellung. Aus diesem Grund vereinbarte ich einen Termin bei der Agentur für Arbeit. Ich hoffte, dort Hilfe zu bekommen. Obwohl ich mich schließlich dazu entschied, weiter zu studieren, war das Gespräch definitiv hilfreich, da ich durch einen guten Rat meinen momentanen Nebenjob gefunden habe.

Meine Gesprächspartnerin zeigte mir verschiedene Stellenanzeigen, die in meinen Interessens- und Kompetenzbereich fallen würden. Dann machte sie mich darauf aufmerksam, dass in einer der Anzeigen die Rede von „vergleichbaren Qualifikationen“ war, als es darum ging, welche Ausbildung gewünscht und vorausgesetzt wurde. Das fand ich sehr interessant. Da ich die eigentlich geforderte Ausbildung nicht absolviert habe, hätte ich diese Stellenanzeige vermutlich beiseitegelegt und gar nicht gedacht, dass ich mich auch bewerben kann. Es ging unter anderem um die Notwendigkeit von Recherchefähigkeiten – und die hatte ich mir zwar nicht in einer Ausbildung, aber im Studium angeeignet. Recherchieren lernt man auf jeden Fall, wenn man ein geisteswissenschaftliches Fach studiert, da man sich jedes Semester in andere Themengebiete einarbeiten und sich intensiv mit ihnen befassen muss, um eine wissenschaftliche Arbeit darüber schreiben zu können. Dennoch wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich mich auf diese Stelle bewerben könnte – obwohl ich in meinem Studium vergleichbare Qualifikationen erworben habe.

Die eigenen Fähigkeiten als Qualifikationen erkennen

Diese Erkenntnis war für mich von entscheidender Bedeutung. Im September letzten Jahres entdeckte ich eine Anzeige für eine befristete Stelle als Beschäftige/-r im Bibliotheksdienst, für die ich auf den ersten Blick nicht qualifiziert war – ich hatte keine bibliothekarische Ausbildung und auch noch nie in einer Bibliothek gearbeitet. Halbwegs relevante Erfahrungen hatte ich wenn überhaupt bisher nur im Kundendienst gesammelt. Es wurde aber ebenfalls erwähnt, dass man sich auch bewerben könnte, wenn man ähnliche Qualifikationen habe. Weil mich die Stelle interessierte, schrieb ich eine Bewerbung.

In der Bewerbung machte ich deutlich, dass ich noch nie im Bibliotheksdienst tätig gewesen war. Ich betonte aber auch, dass ich als Studentin in der Bibliothek unserer Universität ein und aus ginge und ich somit eine gewisse Erfahrung bei den Abläufen hätte, wenn auch von der anderen Seite. Da in der Stellenanzeige explizit erwähnt wurde, dass die Arbeit mit Datenbanken zu den Aufgaben gehören würde, erklärte ich, dass ich die spezifischen Programme, die die Angestellten benutzten, zwar nicht kennen würde, ich mir aber zutraute, mich schnell mit ihnen vertraut zu machen. In meinem Studium würde von mir schließlich regelmäßig gefordert, mir neue Systeme zu erschließen – sei es der Katalog plus der Bibliothek oder Citavi zum Verwalten von Literatur und Zitaten für Hausarbeiten. Darüber hinaus schilderte ich noch, warum ich die Tätigkeit gerne machen würde und warum ich meiner Meinung nach in der Lage wäre, sie nach einer Anlernphase kompetent auszuüben. Trotz allem rechnete ich aber nicht wirklich damit, ein Vorstellungsgespräch zu bekommen. So wurde ich positiv überrascht, als ich wenige Wochen später eine Einladung bekam, und umso mehr, als aus dem Gespräch erst ein Probearbeiten und schließlich ein Jobangebot wurde. Meine Bewerbung hatte die Arbeitgeber*innen neugierig gemacht und im persönlichen Gespräch konnte ich sie überzeugen. So bekam ich einen Job, für den ich auf den ersten Blick „nicht qualifiziert“ zu sein schien.

Augen auf bei der Jobsuche!

Tatsächlich ist es auch abseits dieses speziellen Beispiels wichtig, Stellenanzeigen genau zu lesen. Die oftmals langen Listen von Anforderungen, die an potenzielle Angestellte gerichtet werden, können schnell einschüchtern, weil man diese meist nur teilweise erfüllen kann. Doch das muss nicht heißen, dass man für den Job nicht qualifiziert ist. Alison Green, die selbst als Managerin gearbeitet hat und heute freiberuflich Kund*innen berät, führt auf ihrem Business Blog aus, dass es sich bei solchen Katalogen eher um eine „idea of the ideal candidate“ handle und dass Bewerber*innen die gelisteten Aspekte eher als Richtlinie betrachten sollten, und nicht als Checkliste, bei der sämtliche Punkte erfüllt werden müssten.

Natürlich wünschen sich Unternehmen perfekte Bewerber*innen, die alle genannten Anforderungen erfüllen und am besten sofort anfangen können. Doch den meisten dürfte bewusst sein, dass dies nicht immer realistisch ist. Deshalb ist es entscheidend, eine gute Bewerbung abzugeben und im Anschreiben zu begründen, warum man selbst – trotz eventuell fehlender Qualifikationen – ein Gewinn für die Arbeitgeber*innen und die ausgeschriebene Stelle wäre. Anregungen dazu, wie ihr gute Bewerbungsunterlagen zusammenstellt, könnt ihr bereits hier auf diesem Blog finden. Außerdem gibt es einen Beitrag darüber, wo ihr relevante Stellenanzeigen finden könnt, und Hinweise dazu, wie ihr euch am besten auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet.

Natürlich seid ihr nicht für jeden Job qualifiziert, aber ihr müsst euch auch nicht unnötig einschränken. Wenn euch eine Stellenanzeige interessiert, probiert es und bewerbt euch. Im schlimmsten Fall bekommt ihr eine Absage – und obwohl niemand gerne abgelehnt wird, ist es garantiert fast allen Menschen auf dem Arbeitsmarkt schon einmal passiert. Tatsächlich gibt es sogar diejenigen, die so viele Absagen wie möglich bekommen wollen, denn mit möglichst vielen Bewerbungen steigen auch die Chancen auf eine Zusage. Also bleibt nur zu sagen: Traut euch! Viel Erfolg 🙂

 

Bild: Kerstin Huber

 

 

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