Einstieg in den Journalismus. Warum es sinnvoll ist, eigene Wege zu gehen

Einstieg in den Journalismus. Warum es sinnvoll ist, eigene Wege zu gehen

Wer vorhat, in einem journalistischen Beruf – etwa bei der Zeitung, beim Fernsehen oder beim Radio – zu arbeiten, denkt wahrscheinlich nicht sofort daran, Kulturanthropologie zu studieren, sondern wählt eher einen philologischen Studiengang oder geht direkt an eine Hochschule für Journalismus. Das dachte auch ich, als ich mein erstes Praktikum bei einer Online-Nachrichtenredaktion begann. Damals war ich vierzehn Jahre alt und es verunsicherte mich, dass mir jede/r der RedakteurInnen vom herkömmlichen Weg über eine journalistische Ausbildung abriet. Journalistische Fähigkeiten – Recherche, Rechtschreibung, kreatives Schreiben – seien im Job ohnehin vorausgesetzt. „Das können die alle“, wurde mir an den Kopf geknallt. „Warum sollte man als Chef gerade dich wollen?“ Was vor zehn Jahren alarmierend klang, haben mir bis heute viele JournalistInnen bestätigt: Es macht Sinn, zu studieren, was einen interessiert. So wird man SpezialistIn in einem Gebiet und das wiederrum hebt einen von anderen BewerberInnen ab. Das kann zum Beispiel Kunstgeschichte oder Musikwissenschaft sein, Politik oder, wie in meinem Fall, Kulturanthropologie.

Der Weg in den Beruf als JournalistIn geht oft über ein Volontariat. Möchte man diese Ausbildung bei einer Zeitung machen, wird in der Regel ein akademischer Abschluss vorausgesetzt. Die Plätze sind begehrt und eine realistische Chance hat nur, wer Arbeitsproben und eine Menge Erfahrung mitbringt. Warum also nicht neben dem Studium als freier Mitarbeiter oder freie Mitarbeiterin in der Redaktion arbeiten und sich damit noch die Miete oder den ein oder anderen Kaffee finanzieren?

Von Chancen und Herausforderungen.

Freie MitarbeiterInnen, englisch freelancer, sind selbständig und müssen sich selbst um Aufträge kümmern. Das bedeutet Aufträge an- oder abzulehnen oder eigene Artikel anzubieten. Freie MitarbeiterInnen können also theoretisch unabhängig entscheiden, welche Themen sie interessieren und worüber sie schreiben wollen. In der Praxis sieht das aber oft anders aus: Wer auf ein monatliches Einkommen angewiesen ist, muss manchmal Artikel außerhalb der eigenen Komfortzone übernehmen. Mein Artikel über Fastnachtskostüme für Hunde wird mir keinen Pulitzerpreis bescheren, hat aber meinen Kühlschrank gefüllt. Bezahlt wird in der Regel nicht pro Stunde oder Monat, sondern auf Honorarbasis entweder pro Zeile und Foto oder pauschal pro Artikel. Freie MitarbeiterInnen können sich ihre Zeit frei einteilen, denn es gibt keine festen Arbeitszeiten. Im Studium ist das sehr praktisch, denn so können Studierende beispielsweise in der Prüfungsphase weniger arbeiten und mehr für die Klausuren lernen. Auch in der Wahl des Arbeitsplatzes ist der freie Mitarbeiter oder die freie Mitarbeiterin flexibel. Manche Dinge, wie zum Beispiel das Seitenlayout, müssen in der Redaktion erledigt werden und bei Veranstaltungen oder Interviews sollten JournalistInnen natürlich persönlich anwesend sein. Das Schreiben an sich lässt sich aber auch wunderbar auf dem Sofa oder am See erledigen. Der Arbeitsplatz, die Themen der Artikel, sowie Arbeitszeit und Arbeitsumfang können also eigenständig gewählt werden. Das erfordert allerdings auch Disziplin, damit die Arbeit am Schreibtisch zu Hause nicht plötzlich in einem Serienmarathon oder Frühjahrsputz endet.

Wer ein Gefühl für Sprache hat, Leidenschaft und Freude am Journalismus mitbringt und gerne selbstständig arbeitet, ist als freier Mitarbeiter oder freie Mitarbeiterin bei der Zeitung gut aufgehoben. Im Vorhinein sind Praktika hilfreich. Dabei kann man testen, ob der Beruf zu einem passt und außerdem Kontakte knüpfen und das eigene Talent zeigen. Zusätzlich eignet sich dafür die Mitarbeit bei der Schülerzeitung, dem Uniradio oder ähnlichen Angeboten.

Wer nach dem Studium hauptberuflich als JournalistIn durchstarten möchte, kann sich auf einen vielseitigen, wichtigen und spannenden Beruf freuen, darf allerdings nicht mit hohen Gehältern oder einer Festanstellung rechnen. Und wer sich im Nachhinein doch für einen anderen Beruf entscheidet, hat für die Zeit der freien Mitarbeit sicherlich einen tollen Nebenjob und zusätzlich zu den im Studium erworbenen Kompetenzen eine Menge gelernt. Geübtes Schreiben, Recherchefähigkeiten und Zeitmanagement kommen der Bewerbung zu Gute und bereiten auf das Leben nach dem Studium vor.

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