Nebenjobs als Zusatzqualifikation?

Nebenjobs als Zusatzqualifikation?

Fast alle StudentInnen kennen das: Die finanzielle Unterstützung der Eltern oder des Staates reicht nicht aus, um unbeschwert über die Runden zu kommen. Also wird nebenher gejobbt. Meist hat diese Tätigkeit nichts mit dem Studium zu tun. Häufig gilt sie als lästig und für die ‚Karriere‘ unbedeutend. Aber auch diese Nebenjobs können GeisteswissenschaftlerInnen für einen späteren Beruf qualifizieren.

Die erlernten Skills solltet ihr in der Bewerbung selbstbewusst formulieren! Das Arbeiten neben dem Studium zeigt Eigenverantwortung und Ehrgeiz, was überzeugende Argumente im Lebenslauf sein können. Flexibilität und Verlässlichkeit können fast nur im Arbeitsalltag bewiesen werden. Eine Beurteilung von ArbeitgeberInnen, in der diese Eigenschaften bezeugt werden, kann sich also positiv auf eine Bewerbung für einen ‚richtigen‘ Job auswirken!

Welche Kompetenzen habe ich entwickelt?

Überlegt euch, was ihr alles bei euren diversen Nebenjobs gelernt habt. Ich habe früh begonnen mir ein kleines Taschengeld dazuzuverdienen. Erste Arbeitserfahrungen konnte ich in einem Konditoreicafé sammeln. Hier lernte ich im Service auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Im Umgang mit Kunden musste ich Kompromisse finden und in Konfliktsituationen gelassen bleiben. Dadurch eignete ich mir eine gewisse Professionalität an. Außerdem mussten in der Weihnachtszeit Waren verpackt werden, was mich darin schulte Arbeitsabläufe zu optimieren.

Später arbeitete ich in Australien in einem Café. Während längerer Auslandsaufenthalte meines Chefs durfte ich ihn vertreten. In dieser Zeit musste ich den betrieblichen Ablauf des Cafés eigenverantwortlich organisieren. Arbeitszeiten mussten aufgeteilt, Gehälter gezahlt und Gerichte abgesprochen werden. Ich lernte zwischen den MitarbeiterInnen und dem Chef zu vermitteln und Menschen zu motivieren. Gleichzeitig musste ich in Gehaltsverhandlungen meine eigenen Interessen selbstbewusst vertreten. Durch das Arbeiten in einer Fremdsprache wurden viele Situationen komplizierter für mich. Diese zu überwinden, stärkte mein Selbstbewusstsein.

Zurück in Deutschland begann ich mein Studium in Tübingen. Ich erhielt die Möglichkeit als Tutorin in einem Rhetorik-Seminar mitzuarbeiten. Den Kurs hatte ich selbst besucht, ansonsten mich jedoch nie bewusst mit rhetorischen Fragestellungen auseinandergesetzt. Jetzt  musste ich mich also in einen neuen Bereich einarbeiten und lernte dadurch mir in relativ kurzer Zeit Wissen anzueignen. Meine Arbeit bestand vor allem darin Texte und Vorträge zu beurteilen, was mich im aufmerksamen Zuhören und Feedback geben schulte.

Fast allen Nebenjobs ist gemein, dass sie verantwortungsvolles Handeln fordern. Ihr werdet vor neue Herausforderungen gestellt, die es zu überwinden gilt. Dabei kommt es meist auf eine gewisse Aufmerksamkeit an und darauf Aufgaben eigenverantwortlich weiterzuführen. Durch die Arbeit im Team oder mit Kunden lernt ihr Kompromisse zu finden und Konflikte zu lösen.

Ihr habt euch sicherlich viele Skills durch Aushilfsarbeiten angeeignet: Reflektiert diese und formuliert sie aus!

Wofür ist der Aushilfsjob noch gut? 

Das Jobben hilft auch dabei herauszufinden, welche Arbeitsfelder einen ansprechen. Stärken und Schwächen werden bei realen Arbeitssituationen getestet. Wie viel Kundenkontakt kann ich aushalten? Wirkt Stress produktiv auf mich, oder brauche ich einen ruhigen Arbeitsplatz? Welche Funktion oder Position nehme ich im Team ein?

Ein weiterer Punkt ist der produktive Umgang mit dem Scheitern. Der Chef einer nicht ausgebildeten Aushilfe erwartet, dass die Person Fehler macht. Niederlagen sind in diesem Umfeld also kein Weltuntergang, sondern ermöglichen es, seine Fähigkeiten zu verbessern. Im KellnerInnen-Job wird eine Verbesserung der eigenen Skills beispielsweise durch ein steigendes Trinkgeld direkt rückgemeldet.

Erfahrungen selbstbewusst präsentieren!

Die Arbeitszeit an der Bar oder im Geschäft haben also durchaus Lerneffekte, die in der Bewerbung zu erwähnen sind. Die erworbenen sozialen Kompetenzen, sogenannte Soft Skills, werden von fast jedem Arbeitgeber, jeder Arbeitgeberin gewünscht oder gefordert. Zudem verdeutlichen einem die Mini-Jobs eigene Stärken und Schwächen, die in einem Bewerbungsgespräch kommuniziert werden sollten. Denn damit wird die Fähigkeit der Selbstreflexion demonstriert.

Also versteckt euer Können nicht, sondern tragt eure, auf vielseitige Weise erworbenen Fähigkeiten selbstbewusst nach außen!

 

 

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