Das Internet – Buchdruck der Moderne?

Das Internet – Buchdruck der Moderne?

Die Erfindung des Internets könnte einmal als größte Errungenschaft der Menschheit in die Geschichte eingehen. So wie dies dem Buchdruck und der damit einhergehenden Renaissance gelang. Doch es gibt Hürden, die es zu überwinden gilt, damit das Internet es dem Buchdruck nachtut und als Anstoß in ein neues Zeitalter die Menschheit verändert.

Die Wissensvermittlung sowie der Wissenszugang haben sich durch das Internet extrem erweitert. Ähnliches konnte auch vor etwas mehr als 500 Jahren beobachtet werden, nämlich als Johannes Gensfleisch, auch bekannt als Gutenberg, den Buchdruck erfand. Dieser hatte zur Folge, dass Wissen einem wesentlich größeren Publikum zugänglich wurde. So konnten Bücher und die darin erhaltenen Gedanken und Thesen von einer breiteren Masse weitergedacht werden als zuvor. Dieser Prozess lässt sich heute noch sehen. Bücher zählen noch immer als bevorzugte Quellen für wissenschaftliches Arbeiten. Aber vor allem populärwissenschaftlich ist beim Internet ein ähnlicher Prozess wahrzunehmen und dies ist, meine Freund*innen, auch Geburtsgrund und -stunde dieses Blogs gewesen. Wissensvermittlung erhält eine neue Ebene. Das Internet: Immer, schnell und ständig erreichbar. Ob Smartphone, Computer oder alles Mögliche dazwischen bis hin zur Uhr: Überall bekommen wir Informationen her. Uhren Informieren uns, dass wir zu wenig trinken oder dass wir mal den Arsch hochkriegen sollten, um uns etwas zu bewegen. Jede*r hat sein*ihr Smartphone überall dabei und weiß nicht weiter, wenn der Akku doch mal leer werden sollte. Ihr versteht wo das hingeht. Aber das Internet ist zugleich auch Hauptlieferant von Verschwörungsmythen, Falschmeldungen und vor allem ausschnitthaften Darstellungen, von aus dem Kontext gerissenen Bildern, Texten und Aussagen.

Subjektivität

Hier kommt die vermehrte Wichtigkeit und Aufklärung der eigenen Subjektivität zum Ausdruck. Denn bei der Fülle an Informationen und Autor*innen, ist es unentbehrliches Wissen, die eigene subjektive Ansicht und gleiches aller anderen Mitmenschen zu verinnerlichen. Die Inhalte dieses Blogs! Artikel, Portraits, Essays sowie alle anderen schriftlichen und sprachlichen Quellen sind aus der subjektiven Weltansicht und Perspektive eines*r Akteur*in geschrieben und müssen auch als solche gelesen werden. Dies gilt genauso für Erzählungen über gelesene Artikel. Hier befindet sich dazu auch noch die subjektive Ansicht des*r Erzähler*in. Also sind Informationen durch mindestens zwei Instanzen gegangen, welche dieser ihre eigene Subjektive Note aufgedrückt haben. Die eigene Subjektivität sowie die subjektive Ansicht anderer gehört ständig auf den Prüfstand gestellt. Es gehört also immer kritisches Denken zum wissenschaftlichen Schreiben sowie Lesen von Texten.

Alle Menschen nehmen Situationen jeglicher Art selbstzentriert auf, um es mit David Foster Wallace schönen Worten zu sagen; habt ihr nie eine Erfahrung gemacht, bei der ihr nicht im absoluten Mittelpunkt standet. (sinng. Foster Wallace, 2005:3-4) Das heißt alles was wir selbst erfahren ist unmittelbar wirklich, während die Erfahrungen anderer erst kommuniziert werden müssen. Die Erfahrungen – ihr habt es schon richtig erkannt – sind also durch ihre subjektive Wahrnehmung bereits geprägt. Dieses Wissen und Bewusstsein ist ein zentraler Bestandteil der Kulturanthropologie und zudem auch beim Lesen von Büchern, Zeitungsartikeln und Blogbeiträgen jeglicher Wissenschaftsbereiche ein nicht hoch genug einzuschätzender Skill.

Quellenkritik

Sobald dies geschafft ist, ist quellenkritisches Denken eigentlich ein Klacks. Denn es baut auf dem Wissen der Subjektivität sowie der automatischen Selbstzentriertheit eines jeden Individuums auf. Ein jeder Text ist zu hinterfragen, von jeder mündlichen Information ganz zu schweigen. Thesen eines wissenschaftlichen Textes basieren auf Quellen (Verweis auf Beitrag über Quellen?) jeglicher Art und müssen angegeben werden. Das heißt: wenn ich Bedenken an einer Textaussage habe, suche ich die dazugehörige Quelle (Falls es keine Quellen gibt: Haut weg das Ding!)  und habe die Möglichkeit diese Aussage zu prüfen. Auf gut Deutsch ist ein wissenschaftlicher Text ohne Quellenangabe Altpapier, denn erst die Quellenangabe legitimiert meine geschrieben Thesen und Beobachtungen. Es ist quasi so, als würde irgendeine Person auf Twitter posten, „Ich habe einen pinken Schwan gesehen“ könnte aber auf Nachfrage nicht auf die Fragen wann oder wo, geschweige denn wie er genau ausgesehen hat antworten.

Wissen

Wissen ist also subjektiv und relativ, hier könnte man wie so oft Sokrates aus dem verstaubten Buchregal nehmen und zitieren. Oder aber man geht kulturanthropologisch der Frage des Wissens nach. Hier kommt man zu der Erkenntnis, dass die Produktion von Wissen immer auch „Nicht-Wissen“ hervorbringt. Dies hört sich zunächst schwieriger an als es ist. Es liegt der simplen Logik Poppers Falsifikation (Die Logik der Forschung 1934: 17 f.) zu Grunde, dass heißt Wissen ist nur so lange „richtig“ solange keine*r das Gegenteil bewiesen hat. Es liegt also quasi mit dem Gedanken, dass absolutes Wissen nicht existieren kann in der Luft, dass neben dem Wissen auch immer Nichtwissen existiert – soweit würde auch Sokrates zustimmen. Um den alten Popperschen Klassiker aufleben zu lassen; ist die Erkenntnis, dass es a priori nur weiße Schwäne gibt absolut, bis man einen schwarzen Schwan sieht. Dieser falsifiziert eine als Wahrheit angenommene These. Dieses Schwanbeispiel erläutert sogleich, wie der Prozess der Wissensproduktion – immer durch kritisches Denken – Thesen widerlegt oder modifiziert. Die Aussage müsste nun lauten: Es gibt schwarze sowie weiße Schwäne. Bis jemand mit der Beobachtung eines pinken Schwanes für Furore sorgt. Wir müssen also a postpriori davon ausgehen, dass es nicht nur weiße Schwäne gibt, sondern auch schwarze und vielleicht noch andere.

Was hat das denn alles mit dem Internet zu tun?

Wissen ist auch in Zeiten des Internets ein Gut, welches nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich ist. Auch ist die beträchtliche Anzahl von Fehlinformationen – auf vielen schwer als solche zu erkennenden „unseriösen“ Webseiten – ein  Dschungel, den es zu durchforsten gilt bevor eine seriöse Website gefunden wurde, bei welcher dann ein Abonnement nötig ist and so on. Das heißt die Zeit spielt eine Rolle. So wie das Lesen eines Buches Zeit kostet, ist es auch zeitaufwendig im Internet „seriöse“ (jene die mit bewusster Subjektivität schreiben, also keine objektive Wahrheit vorgaukeln und mit einsehbaren Quellen arbeiten) von „unseriösen“ (jene die Behauptungen aufstellen ohne Beweise zu liefern oder ohne Nachweise in Form von Quellenangaben) Informationen zu trennen. Das heißt, dass Quellen geprüft werden müssen, etc. ihr versteht wo dies hinläuft.

Man könnte also denken die Menschheit steht kurz vor einer Renaissance 2.0, welche großartige sowie verheerende Folgen haben könnte. Es steht in unserer Macht Einfluss auf diese Entwicklung zu nehmen. Denn der Fortschritt kommt: Es liegt an der Wissenschaft diesen zu Gestalten.

 

https://fs.blog/2012/04/david-foster-wallace-this-is-water/

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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