Kompetenzentwicklung durch Studienprojekte? Ja klar!

Kompetenzentwicklung durch Studienprojekte? Ja klar!

Im Studium werden den Studierenden Einblicke in mögliche Berufsfelder gegeben. Beim zweisemestrigen forschungsorientierten Studienprojekt sammeln Masterstudierende am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie in Freiburg Praxiserfahrungen und lernen, fachliches Können konkret anzuwenden.

Ich studiere im Master in Freiburg. Wir stecken gerade in den letzten Zügen vor Beendigung unseres forschungsorientierten Studienprojekts, das in Freiburg obligatorisch ist. Ich halte das für eine gute Sache und möchte deswegen über meine Erfahrungen damit berichten. Projektorientierte Lernformate stellen eine Alternative für den theoretisch aufgeladenen universitären Alltag dar. Bei Studienprojekten üben die Studierenden, theoretische Fachinhalte auszuarbeiten, wenden bisher Gelerntes konkret an und bekommen praxisorientierte Schlüsselkompetenzen vermittelt. Die Studienprojekte dienen in besonderem Maße der Kompetenzerweiterung sowie der Selbsterkundung der Studierenden.

Mit dem übergeordneten Thema „Freiburg in den langen 70ern – Facetten einer Stadt im Wandel” haben wir im Studienprojekt die bedeutenden Stadt-Geschichten zu dieser Zeit untersucht und zeigen Bezüge zum heutigen Freiburg auf. Die Ausstellung soll als kulturwissenschaftlicher Beitrag für das mit großen Schritten näher rückende 900 Stadtjubiläum von Freiburg im Jahr 2020 dienen. Und da muss viel gemacht werden: Es werden Archive durchforstet, Interviews mit ZeitzeugInnen geführt, Objekte und Medien aus den Siebzigern gesammelt. Die Ergebnisse des Studienprojekts sind vom 18. Juli bis 14. September 2019 in einer Ausstellung im Uniseum, dem Freiburger Universitätsmuseum, zu sehen.

Weil das gesamte Projekt zwei Semester lang dauert, wurden die bevorstehenden Aufgaben aufgeteilt. Das erste Semester wurde dazu genutzt, die thematischen Inhalte zu erarbeiten. Zu Beginn ist die Entwicklung von Projektideen und Fragestellungen zentral. Dazu tauschen sich die Studierenden regelmäßig aus, untereinander aber auch mit dem begleitenden Lehrpersonal. Im ersten Schritt wurde von allen eine Hausarbeit angefertigt. Dabei mussten sich die Studierenden mit ihren Teil-Themen vertraut machen, eigene Forschungsfragestellungen entwickeln, qualitative Untersuchungsmethoden auswählen und diese umsetzen. Außerdem sollten bereits die ersten Ideen für Ausstellungsexponate entworfen werden. Im zweiten Semester konzentrierten sich die Studierenden darauf, die Ausstellung zu planen. Doch wie geht das, eine Ausstellung machen? Und welche Kompetenzen erwirbt man dabei eigentlich? Zunächst einmal bedeutet eine Ausstellung eines: sehr viel Arbeit, Kreativität und Engagement.

Aus meiner Sicht fördert das Studienprojekt vor allem folgende Kompetenzen:

» Teamfähigkeit:
Die Mitarbeit an Projekten bedeutet oftmals für alle Beteiligten, sich von den eigenen Gewohnheiten zu verabschieden. Anders als im ersten Teil, in dem eine selbstständige Arbeitsweise im Vordergrund steht, müssen die Studierenden nun im zweiten Teil in einer Gruppe zusammenarbeiten. So lernen die Studierenden beispielsweise, in Planungssitzungen zu diskutieren und sich zu einigen, ihre TeamkollegInnen voll und ganz zu unterstützen und respektvoll miteinander umzugehen.

» Veränderungsbereitschaft und Flexibilität:
Generell eignen sich die Beteiligten eine große Portion Veränderungsbereitschaft an. Sie lernen, sich aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Projekte sind komplex und verändern sich durchgängig. Daher ist es wichtig, in allen Phasen flexibel und anpassungsfähig zu sein.

» Innovationsfähigkeit und Kreativität:
Die meisten Projekte wollen etwas Neues entwickeln. Eine Demonstration von bereits existierenden Ergebnissen in herkömmlichen Darstellungsformen ist zu vermeiden. Weil Studienprojekte häufig mit wenig Zeit und knappen Finanzen zu kämpfen haben, wird von den Studierenden besonders viel Innovationsfähigkeit und Kreativität gefordert. Gleichzeitig sind die jungen ForscherInnen gefordert, immer die Machbarkeit der Ideen zu überprüfen.

» Zeitmanagement:
Für die Realisierung einer Ausstellung ist es zunächst wichtig, einen Zeitplan zu erstellen und diesen von Anfang an im Auge zu behalten. Häufig verdichtet sich die Arbeit gegen Ende der Realisierungsphase. Um das zu verhindern, müssen die Studierenden ein gutes Zeitmanagement praktizieren.

» Budgetmanagement:
Um mit schmalem Budget ein Ausstellungsprojekt zu planen und umzusetzen, erstellen die Studierenden – viele zum ersten Mal – einen Budgetplan, der Kosten und Einnahmen des Projekts aufführt. Die Kosten sollten so realitätsnah wie möglich berechnet und immer wieder aktualisiert werden.

» Redaktionelle Kompetenzen:
Zum krönenden Abschluss wird es bei uns einen Begleitband zu unserem Projekt geben. Neben dem Verfassen von verschiedenen Textarten wie Ausstellungs- und Objekttexten werden die Studierenden in die Lage versetzt, eine Publikation zu veröffentlichen. Damit ein gutes, gemeinsames Endprodukt entsteht, wurde ein Redaktionsteam gebildet. Das Team ist dafür zuständig, alle Texte zu lesen, zu korrigieren und eventuell zu überarbeiten und erwirbt dadurch grundlegende redaktionelle Kompetenzen.

» Kommunikationsfähigkeit:
Eine erfolgreiche Ausstellung mit allem Drum und Dran lässt sich selten ohne externe Unterstützung realisieren. Um Kooperationen mit GrafikerInnen, Archiven, Sponsoren und weiteren PartnerInnen zu schließen, sind kommunikatives Verhalten und ein vernetztes Denken wichtige Voraussetzungen. Die Studierenden müssen sich also gute Kommunikationsfähigkeiten aneignen. Denn ohne diese UnterstützerInnen wäre es nicht möglich, Objekte auszuleihen, und die Gestaltung des Logos, der Drucksachen und Webseiten müsste in Eigenregie stattfinden.

» Marketing Know-How:
Um BesucherInnen zu gewinnen und somit das Erfolgspotenzial der Ausstellung zu steigern, müssen die Studierenden geeignete Marketingideen entwickeln und zielgerichtete Kommunikationsstrategien im Bereich Public Relations/ Öffentlichkeitsarbeit konzipieren.

» Risikobereitschaft und Problemlösung:
Auch bei einer guten Planung können unerwartete Situationen und Probleme auftreten. Für die Studierenden bedeutet dies die Bereitschaft dazu, Risiken zu akzeptieren und einzugehen. Daneben lernen sie, Probleme zu erkennen und zu lösen. Die Eigenschaften der Problemlösung und Risikobereitschaft sind beide, neben Grundaufgaben der Projektarbeit, auch unternehmerische Grundvoraussetzungen.

Mein Fazit:

Durch das Studienprojekt werden Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt, die für den beruflichen Werdegang von Vorteil sind und den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern können. Außerdem ermöglicht das Projekt den Studierenden, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen, da eine vielseitige planerische, konzeptionelle und kreative sowie organisatorische Mitarbeit erforderlich ist.

 

Weiterführende Links:

Freiburg in den langen 70ern. Facetten einer Stadt im Wandel http://www.alltagskultur.info/freiburg/

GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. http://gpm-blog.de

Institut für Kulturkonzepte https://kulturkonzepte.at

Kulturmanagement https://www.kulturmanagement.net

 

Bildquelle: Laura Steinhaus

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