Endlich fertig – Rückblick auf drei Monate Bachelorarbeit

Endlich fertig – Rückblick auf drei Monate Bachelorarbeit

Wer ein Bachelorstudium erfolgreich abschließen will, muss sich ihr früher oder später stellen: der berüchtigten Bachelorarbeit. Aber wie fühlt sich das eigentlich an, in drei Monaten das unter Beweis zu stellen, was man die letzten Jahre gelernt hat? Wo liegen die Herausforderungen und vielleicht sogar Überraschungen?

 

Wir haben Ende des Sommersemesters 2020. Julia Wagner (23) hat gerade ihre B.A.-Arbeit abgegeben. Sie schrieb über studentisches Leben und Machtordnungen in einer mittelalterlichen Bildungseinrichtung. Während Julia gespannt auf  das Ergebnis wartet, habe ich sie zum Projekt B.A.-Arbeit befragt.

Julia Wagner

Julia, wie hast du dein Thema gefunden?

Ich bin seit dem 2. Semester im Uniseum als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. Davor habe ich einen BOK-Kurs besucht, der auch dazu genutzt wird, Nachwuchs fürs Uniseum auszubilden. Der Archivleiter und Leiter des Uniseums verwies schon damals auf das Statutenbuch und hob die Besonderheit, dieser mittelalterlichen Quelle hervor, welche besondere Einblicke über das studentische Leben im Mittelalter gibt. Ich fand schon die Bilder in dem Buch interessant, die das Universitätsleben von damals zeigten, denn man versteht sie auch ohne die gotischen Schriften lesen zu müssen. Zwei Semester später habe ich dann eine Hausarbeit über Karzer aus kulturwissenschaftlicher Perspektive geschrieben, bei der ich auch die Statuten ein bisschen miteibezogen habe.  So habe ich herausgefunden, dass ich dieses Thema interessant finde. Außerdem hat mir die historisch-archivalische Forschung zugesagt.

Statuten sind eine Zusammenfassung von Rechtsnormen.  Statuta Collegii Sapientiae – SCS fol.43v und fol.44r 1

 

Was ging Dir zu Beginn deiner B.A.-Arbeit so durch den Kopf?

Am Anfang und zwischendrin habe ich mich gefragt, ob mein Thema relevant genug ist, da ich historische Themen untersuche. Da muss man nicht großartig um die Ecke denken, habe ich gedacht. Aber bei meinem Thema geht ja es nicht nur darum wie die Uni wirklich war, sondern auch wie sie gedacht war. So habe ich mich zwischen Ideal- und Realbildern bewegt. Dabei wollte ich das Selbstbild der Sapienz sowie bestimmte Normen und Ordnungen untersuchen. Meine Frage war, warum bestimmte Aspekte als wichtig empfunden und in das Regelwerk aufgenommen wurden. Da fand ein Selektionsprozess statt, den ich nachvollziehen wollte. Durch die Literatur konnte ich das Idealbild dem Regelwerk der gelebten Praxis gegenüberstellen und aufzeigen, dass vieles in der Praxis – vor allem in anderen ähnlichen Einrichtungen – nicht so verlief wie es offiziell sollte. Es wurde gegen viele Regeln verstoßen. Spannend fand ich zum Beispiel, welche Wege die jungen Studenten gefunden haben, diese Regeln zu umgehen. Da Frauen und Mädchen der Zutritt in diese Einrichtungen verboten war, ebenso wenig von den Bewohnern mithineingebracht werden durften, haben tatsächlich ein paar Studenten die Tochter eines Schumachers in Männerkleidung hineingeschmuggelt.

Statuten
Bild aus den Statuten

 

Wie hat sich der Schreib- und Forschungsprozess gestaltet?

Ich habe sehr gerne historisch-archivalisch geforscht, das hat mir viel Spaß gemacht, da mich das Thema interessiert hat. Da war es mir auch egal ob ich noch um 22 Uhr dran sitze. Teilweise bin ich über skurrile Geschichten oder Anekdoten gestoßen, die die Forschung lebendig machen. Das fand ich sehr unterhaltsam.

 

Wo lagen deine Herausforderungen?

Ich fand es schwer, mich kurz zu halten. Ich habe tatsächlich zu viel Text gehabt. Den musste ich dann wieder kürzen, um am Ende auf 40 Seiten zu kommen. Eigentlich dachte ich gar nicht, dass ich so viele Seiten schaffen könnte. Sich kurz und klar halten, das fällt mir manchmal schwer. Eine andere Herausforderung war, dass ich das Geschehene mit mehr theoretischer Literatur beleuchten wollte, was nicht immer einfach war. Hier habe ich mich daran erinnert die  erlernten Methoden anzuwenden.

 

Was war für dich einfacher als gedacht?

Es war ziemlich einfach in das Thema reinzukommen. Ich konnte gut mit der Literatur arbeiten. Dabei habe ich mich aber oft gefragt, ob ich wissenschaftlich genug arbeite oder einfach nur einen Aufsatz verfasse. Nachdem ich andere B.A.-Arbeiten verglichen habe, wusste ich schließlich, dass meine Arbeit nicht voll mit Theorien sein muss.

 

Wie hast du deinen betreuenden Dozenten gefunden?

Wir dachten alle zuerst, dass es am Institut nur einen möglichen Betreuer für B.A.-Arbeiten gibt. Da ich auch die wissenschaftliche Vorlesung bei diesem hatte, habe ich mich an ihn gewandt. Auf einer Exkursion habe ich ihn schließlich gefragt und er fand mein Thema interessant. Bei ihm habe ich auch das Glück, dass ich mehr Seiten schreiben durfte. Später habe ich dann erfahren, dass man sich von den meisten Lehrenden im Institut betreuen lassen kann.

Was hättest du im Nachhinein anders gemacht?

Tatsächlich habe ich mich manchmal gefragt, ob es schlau war, die Arbeit während dem laufenden Semester zu schreiben. Einerseits habe ich durch Corona  viel Zeit beim Pendeln gespart, da ich nicht in Freiburg wohne. Auch wäre Jubiläumsjahr gewesen. Normalerweise hätte ich deswegen viel Arbeit im Museum gehabt. Das ist natürlich alles weggefallen, so habe ich Zeit gewonnen. Ansonsten wäre es knapp geworden. Aber in normalen Zeiten denke ich, dass es besser ist, sich vor der Anmeldung mit der Arbeit über das Exposée hinaus zu beschäftigen und davor schon zu recherchieren. Die Anmeldung selbst braucht schließlich auch zwei bis drei Wochen.

 

Wie blickst du nun auf die letzten drei Jahre deines B.A. Studiums zurück?

Zu kurz  –(lacht), – eindeutig zu kurz. Ich habe jetzt erst das Gefühl, richtig im Fach angekommen zu sein. Auch verglichen mit der Schulzeit, die einem wie eine Ewigkeit erscheint, ging das Studium gefühlt nur ein Jahr lang. Zum Glück gewinne ich durch den Master noch etwas mehr Zeit.

 

Wie geht es für dich weiter?

Ich beginne hier nächstes Semester meinen Master. Ich bleibe Freiburg treu!

 

 

Titelbild: Schreibende Frau. Quelle: Pixabay

Bild 1: Julia Wagner. Quelle: privat

Bild 2: Bild aus den Statuten. Quelle: Statuten

Bild 3: Statuten. Quelle: SCS fol.43v und fol.44r 1.

Schreibe einen Kommentar