Bist du sicher, dass du (k)einen Master machen willst? Persönliche Zweifel und Entscheidungshilfen
Foto Miriam Kresser

Bist du sicher, dass du (k)einen Master machen willst? Persönliche Zweifel und Entscheidungshilfen

Nach dem Bachelorstudium noch einen Master machen oder nicht – das ist keine einfache Entscheidung. Dabei können sowohl Zweifel als auch die Begeisterung für das Studienfach eine Rolle spielen. Deshalb habe ich hier für euch zusammengetragen, wie ich mich letztlich entschieden habe, was mir bei der Orientierung geholfen hat und welche verschiedenen Argumente mich dabei beeinflusst haben.

„Ich werde bestimmt keinen Master machen, jedenfalls nicht im gleichen Fach und auf keinen Fall an der gleichen Uni!“ – So war meine Einstellung kurz vor dem Ende meines Bachelorstudiums der Vergleichenden Kulturwissenschaft. Also habe ich mir erst einmal ein Praktikum gesucht, um Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Aber als die Bachelorarbeit schließlich abgegeben und der Stress der Endphase vergessen war, begann ich bereits, das Studieren zu vermissen. Ich hatte nicht erwartet, wie sehr mir die Beschäftigung mit spannenden Themen und ungewöhnlichen Sichtweisen, der Austausch mit anderen Studierenden und komplexe theoretische Erklärungsversuche fehlen würden. Ganz davon abgesehen, nicht jeden Morgen um acht bei der Arbeit (oder im Praktikum) stehen zu müssen… Und so begann ich, mich langsam wieder mit dem Gedanken an einen konsekutiven Master anzufreunden.

Momente des Zweifels und der selbstbewusste Umgang mit dem Studienfach

Wer kennt ihn nicht, diesen Moment des Zweifels an seiner Studienwahl? Gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern, die durch eine reflexive Arbeitsweise geprägt sind, spielt immer auch das In-Frage-Stellen des eigenen Studiums eine Rolle. Diese Unsicherheit wurde bei mir außerdem durch das Anzweifeln von verschiedenen Seiten verstärkt. Das fing bei Studierenden der eigenen Fachrichtung an, die (halb ernste) Witze über eine zukünftige Karriere als Taxifahrer*innen machten. Das betraf aber auch Studierende anderer Fachrichtungen, die von der wirtschaftlichen und praktischen Relevanz ihres eigenen Studiums so überzeugt waren, dass sie die Daseinsberechtigung „weicher“ Fächer nicht anerkannten. Und auch die ständigen Fragen von Verwandten und Freunden, was man denn später einmal „damit mache“, trugen zur Verunsicherung bei.

Erst mit etwas Abstand lernte ich die Besonderheiten des Fachs, die während des Studiums irgendwann selbstverständlich für mich geworden waren, wieder zu schätzen. Erst jetzt wurden mir die damit verbundenen Stärken wieder bewusst: der verstehende Zugang, die Frage nach den Kontexten und Hintergründen, aber auch das schnelle Einarbeiten in neue Themenbereiche. In meinem Praktikum war ich vor allem mit organisatorischen Arbeiten beschäftigt. Das war zwar eine spannende Erfahrung, aber ich merkte bald, dass mir der inhaltliche Anspruch, die thematische Auseinandersetzung fehlte.

Entscheidungshilfe 1: Online-Recherche

Das alles bewegte mich dazu, mich über Masterangebote, über Möglichkeiten und Chancen, aber auch mit möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Und wie es sich für eine Vertreterin meiner Generation gehört, habe ich erst einmal online Rat gesucht. Die Zahl an Studien- und Suchportalen, Artikeln und Blogbeiträgen ist unüberschaubar. Die Meinungen sind vielfältig, die Ratschläge zum Teil widersprüchlich, aber hilfreich, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Hier eine kleine Auswahl:

  1. ZeitOnline: Masterstudium für Geistes- und Sozialwissenschaftler
  2. süddeutsche.de: Master ja oder nein? 6 Tipps für die Entscheidung
  3. auslandskarriere.de: Master ja oder nein: 5 Alternativen
  4. stylemocca.com: Masterstudium – Ja oder Nein?
  5. Suchmaschine für Studiengänge auf ZeitOnline

Diese Recherche hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben und mir vor allem klar gemacht, dass ich erst einmal herausfinden muss, was mir bei meiner persönlichen Lebensgestaltung wichtig ist, welche Rolle die Berufswahl dabei spielt und wo sich ein Masterstudium dort einordnen lässt. Mit welchen Themen und Inhalten möchte ich mich auseinandersetzen? Sind mir ideelle, moralische oder wirtschaftlich Aspekte wichtiger? Wo (geografisch) kann ich mir vorstellen, zu leben? Zwar sind diese Fragen direkt nach dem Studium vielleicht noch nicht endgültig zu beantworten, aber für mich hat sich daraus eindeutig die Tendenz zu einem geisteswissenschaftlichen Masterstudium ergeben.

Entscheidungshilfe 2: Gespräche

Neben der Online-Recherche und eigenen Überlegungen haben mir vor allem auch Gespräche mit unterschiedlichen Menschen über das Thema weitergeholfen. Sie haben mich dazu gebracht, über Sichtweisen und Aspekte nachzudenken, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Zum Beispiel hat mir bei einer Tasse Kaffee eine Bekannte erzählt, dass sie nach dem Bachelor so bald wie möglich in die Arbeitswelt einsteigen wolle. Sie möchte endlich finanziell unabhängig sein und einen fest geregelten Tagesablauf haben. Außerdem hofft sie, so möglichst früh viele Kontakte für ihre weitere Karriere zu knüpfen. Eine andere Freundin hat davon berichtet, auf jeden Fall einen Master machen zu wollen. Sie studiert gerne, hat nicht das Gefühl schon „genug“ gelernt zu haben und meint: „arbeiten musst du dann noch früh genug“. Als ich während meines Praktikums mit einer Kollegin darüber gesprochen habe, sagte diese, dass sie im Rückblick froh sei, einen Master gemacht zu haben. Sie sieht das jetzt als eine große Chance, sich nochmal vertieft mit ausgewählten Inhalten auseinanderzusetzen.

Einen Master machen oder nicht? – Argumente und Faktoren

Diese Beispiele zeigen, dass es für jede*n andere Faktoren sind, die die Entscheidung für oder gegen einen Master bestimmen. Das Bachelorstudium bietet die Grundlagen und eine erste Orientierung im Fach. Ein aufbauender Master kann die Chance bieten, das Gelernte zu vertiefen und sich auf einen bestimmten Bereich zu spezialisieren. Für diejenigen, die eine Karriere in der Forschung anstreben, kann ein Master der Einstieg in die Wissenschaft sein. Manche argumentieren außerdem, dass für einen Master nur zwei weitere Jahre investiert werden müssen, um einen höheren Abschluss zu erwerben, was auch mit einem höheren Gehalt verbunden sein kann.

Für andere kann der Berufseinstieg, beispielsweise aus finanziellen Gründen, jedoch keine weiteren zwei Jahre mehr warten. Oder sie haben einfach keine Lust mehr auf Theorie. Für manche Jobs kann ein*e Bewerber*in mit Masterabschluss auch überqualifiziert sein. Andererseits wird für viele Volontariate, die zum Beispiel im Journalismus oder der Museumsbranche den Arbeitseinstieg darstellen, ein Master vorausgesetzt. Ein Master gibt zudem nochmal die Zeit, sich über die eigenen Interessen bewusst zu werden und ein Selbstbewusstsein für das studierte Fach und seine Inhalte und Skills zu entwickeln. Das wiederum verbessert auch die Möglichkeiten, diese später beruflich, auch in ungewöhnlichen Feldern, einzubringen.

Meine Entscheidung für einen Master

Schließlich habe ich mich für ein Masterstudium entschieden. Wie ich mich allerdings für einen bestimmten Master entschieden habe, ist eine andere Geschichte. Die Zeit vor dem Master war für mich von Entscheidungsprozessen durchzogen. Immer wieder habe ich verschiedene, für mich wichtige Faktoren gegeneinander abgewogen. Aber letzten Endes wusste ich erst, was mich konkret erwartet, als ich schon mitten im Studium angekommen war. Wer sich nicht gerne überraschen lässt, kann natürlich Informationsveranstaltungen verschiedener Masterstudiengänge besuchen und Beratungsgespräche vereinbaren (davon berichtet auch der Beitrag „Bachelor, Master und dann Job, oder nicht?“).

Von meinem Vorsatz „Ich werde bestimmt keinen Master machen, jedenfalls nicht im gleichen Fach und auf keinen Fall an der gleichen Uni!“ habe ich nur den letzten Teil umgesetzt. Ich habe meine Begeisterung für die Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie wiedergewonnen und so mache ich jetzt meinen Master im gleichen Fachbereich, aber an einer anderen Universität, was auch mit einer leicht veränderten Ausrichtung und anderen Schwerpunkten verbunden ist.

 

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