Kultur studieren ist nicht überall Dasselbe: verschiedene Unis – andere Blickwinkel
© Marie-Luise Stutz, 15. Juni 2019

Kultur studieren ist nicht überall Dasselbe: verschiedene Unis – andere Blickwinkel

Bei der Auswahl des Studiums kann es nicht nur eine Rolle spielen, welches Fach man studieren möchte, sondern auch, wo man es studiert – denn verschiedene Institute setzen verschiedene Schwerpunkte.

Im Folgenden möchte ich euch am Beispiel des Faches ‚Kulturanthropologie‘, das im Lauf der Zeit auch als ‚Kulturwissenschaft‘, ‚Ethnologie‘ oder ‚Völkerkunde‘ bezeichnet wurde und wird, aufzeigen, welche unterschiedlichen Spezialisierungen sich auf den Webseiten verschiedener Institute erkennen lassen. Dazu möchte ich ein paar Universitäten genauer vorstellen und mein eigenes Studium in Freiburg als Grundlage benutzen, um die Unterschiede deutlich zu machen.

  • Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Freiburg
  • Vergleichende Kulturwissenschaft, Regensburg
  • Institut für Europäische Ethnologie, Berlin
  • Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, Tübingen

Obwohl es möglich ist, noch im Berufsleben spezielle Kompetenzen zu erwerben oder sie sich außerhalb der akademischen Bildung anzueignen, kann bereits die Auswahl der Universität eine wichtige Rolle spielen. Während des Studiums erlernt man viele verschiedene Fähigkeiten, die bei der späteren Arbeit von Vorteil sein können. Da unterschiedliche Universitäten, die Studiengänge aus dem oben genannten Spektrum anbieten, eine unterschiedliche Kursauswahl mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen haben, ist es entscheidend, sich vor Beginn des Studiums zu informieren, was man wo studieren kann, woran man selbst das größte Interesse hat und welche Kompetenzen man demzufolge voraussichtlich erlernen wird.

Die Seite des Instituts für Europäische Ethnologie in Berlin (Stand: 30. Juli 2019) fasst gut zusammen, welche Unterschiede es geben kann: “Manche Institute arbeiten so überwiegend gegenwartsorientiert, andere stärker historisch, manche haben thematisch unterschiedliche Schwerpunkte, andere versuchen, eher räumliche und regionale Schwerpunkte zu bilden.”

Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie (Freiburg) | Link

Zum Wintersemester 2016/17 wurde das Lehrangebot an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg umgestellt. Zuvor wurde noch Europäische Ethnologie gelehrt, doch in der Folge wurde das Fach umbenannt und der Lehrplan überarbeitet. Im Bachelorstudiengang Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie liegt der Fokus der Prüfungsordnung zufolge darauf, den Studierenden dabei zu helfen, sich die “empirische[…] und historisch dimensionierte[…] Alltagskulturforschung” anzueignen. Praxisorientiertes Arbeiten, wie beispielsweise Interviews durchführen und ein Praktikum machen, ist für die Vorbereitung auf das Berufsleben sehr wichtig. Außerdem ist es auch von Bedeutung, sich in verschiedene Theorien einarbeiten zu können, um die aktuellen kulturellen und gesellschaftlichen Themen fundiert analysieren zu können.

Im 2017 kreierten Masterstudiengang Kulturanthropologie europäischer Gesellschaften sollen die Studierenden ebenfalls auf ein späteres Berufsleben vorbereitet werden. Entscheidend ist dafür ein forschungsorientiertes Studienprojekt, bei dem die Studierenden über zwei Semester hinweg ein Thema erforschen und lernen, die Ergebnisse präsentationswirksam aufzubereiten. Dabei werden verschiedene Kompetenzen erworben, vor allem in der Forschungsarbeit, aber auch, wenn es um die Planung und Organisation des Projekts sowie die Darstellung der Ergebnisse geht, beispielsweise in der Form einer Ausstellung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kooperation mit dem Institut in Basel, die explizit damit beworben wird, dass sie den Studierenden ermöglicht, die Lehre von verschiedenen Institutionen kennen zu lernen.

Darüber hinaus gibt es in Freiburg das Zentrum für Populäre Kultur und Musik, das Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa und zahlreiche Museen, mit denen eng zusammengearbeitet wird, um ein breites Themenspektrum abzudecken. Die inhaltlichen Schwerpunkte selbst werden in diesem Video zusammengefasst:

Vergleichende Kulturwissenschaft (Regensburg) | Link

Obwohl inhaltlich viele Ähnlichkeiten zu dem Studium in Freiburg bestehen, liegt in Regensburg doch ein größerer Fokus darauf, Kulturkontakte zu untersuchen und verschiedene kulturelle Aspekte miteinander zu vergleichen, was sich schon aus dem Namen des Studiengangs ergibt. Zwar gibt es in Freiburg durchaus Seminare mit dieser Thematik, aber es ist nicht der Schwerpunkt des Studiums.

Zudem gibt es in Regensburg seit dem Wintersemester 2018/19 einen neuen interdisziplinären Masterstudiengang namens Public History und Kulturvermittlung, der sich mit “Probleme[n] der öffentlichen Vermittlung und Anwendung von Geschichte und Kultur” befasst und inhaltlich ganz andere Schwerpunkte setzt. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist es, die Institutionen und deren Rolle, ihre Strategien oder auch ihre Möglichkeiten zu analysieren, wobei die Methoden verschiedener Forschungsrichtungen angewandt und miteinander verknüpft werden. Dies soll den Studierenden ermöglichen, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, da es im Berufsleben von Vorteil sein kann, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven angehen zu können. Zudem werden die Studierenden dazu angeregt, praxis- und projektbezogene Veranstaltungen zu besuchen, die beispielsweise gemeinsam mit Museen angeboten werden. Dadurch können Einblicke in den Berufsalltag erlangt werden.

Institut für Europäische Ethnologie (Berlin) | Link

Am Institut für Europäische Ethnologie in Berlin haben die Studierenden eine große Freiheit, wenn es darum geht, ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen, da dies ihre Eigenständigkeit verstärken soll. In dem bis zum Sommersemester 2019 belegbaren Masterstudiengang gab es die Auswahl zwischen drei Studienschwerpunkten, die freiwillig gewählt werden konnten. Die Studierenden beschäftigten sich hierbei mit einem bestimmten Bereich des Fachs, beispielsweise urbanen Kulturen, und lernten, diesen ausgiebig zu erforschen und selbstständig zu recherchieren. Hierbei galt das Konzept des Forschenden Lernens: Den Studierenden sollte beigebracht werden, sich vor Beginn der praktischen Arbeit zunächst auf theoretischer Basis mit dem eigenen Forschungsgebiet zu beschäftigen. Ab dem Wintersemester 2019/20 wird es den Studiengang Ethnographie. Theorie – Praxis – Kritik geben, der anders strukturiert ist, es den Studierenden aber weiterhin ermöglicht, inhaltlich eigene Schwerpunkte zu setzen.

Die Humboldt-Universität zu Berlin bietet zudem eine sogenannte Schüler_innengesellschaft an, die Oberschüler*innen an das Fach heranführen soll. Dadurch wird es ihnen ermöglicht, erste Einblicke zu bekommen und sich zu entscheiden, ob sie das Fach studieren möchten. Es finden ein- bis zwei Mal im Jahr Projekttage statt, die organisiert und geplant werden müssen. Die Gesellschaft wird von Lehrenden und Studierenden geleitet, was den Studierenden ermöglicht, Erfahrungen im Lehrbereich zu sammeln, Schüler*innen beratend zu begleiten und ihre eigenen Kompetenzen zu vermitteln.

Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft (Tübingen) | Link

Das Institut legt einen besonders großen Fokus auf die internationalen Aspekte des Faches, sowohl bei dem Angebot für die Studierenden als auch bei den Themen, die erforscht werden. Wie in Freiburg spielt die eigenständige Arbeit an einem Forschungsprojekt eine entscheidende Rolle, doch zugleich gibt es einen Schwerpunkt auf der Museumsarbeit, da Ausstellungen vorbereitet, Museen eingerichtet oder Kurse von Dozierenden unterrichtet werden, die selbst in diesem Bereich tätig sind. Zudem gibt es vor Ort eine große Anzahl an Sammlungen, die für die Lehre zur Verfügung stehen.

In diesem Video stellt der Fachbereich sich näher vor und gibt Auskunft darüber, welche Themen in Tübingen erforscht werden:

 

Natürlich gibt es noch weitere Institute mit jeweils ganz eigenen Schwerpunkten (beispielsweise die Martin-Luther-Universität mit dem Fach Musikethnologie), aber ich hoffe, dass dieser kleine Überblick euch geholfen hat. 🙂

 

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