„Ich kann nicht mehr“ – Wie du Unterstützung findest

„Ich kann nicht mehr“ – Wie du Unterstützung findest

„Ich kann nicht mehr“ – dieser Satz war in den letzten Jahren mein dauerhafter Begleiter und ist verantwortlich für die vielen Richtungswechsel und Lücken in meinem Lebenslauf. All denjenigen, denen es auch manchmal so geht, möchte ich hier mit meinen Erfahrungen helfen.

Ich hatte immer wieder Phasen, in denen ich mich ausschließlich freudlos und ausgebrannt fühlte, ohne aber den Grund dafür benennen zu können. Ich habe lange Zeit versucht, vor diesen Gefühlen wegzulaufen, bin in fremde Städte gezogen, nur um sie schnell wieder zu verlassen, habe Studiengänge abgebrochen und neue angefangen. Letztendlich hat nichts davon meine Probleme gelöst. Früher oder später kamen sie immer zurück, die Erschöpfung, die Selbstzweifel, die Hoffnungslosigkeit. Es hat lange gedauert, bis Wörter wie „Depression“ und „Burnout“ ihren Weg in mein Vokabular und in meine Selbstwahrnehmung gefunden haben.

Hilfe zu brauchen und dann auch Hilfe zu bekommen sind jedoch leider zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ich habe immer wieder versucht, mir Unterstützung zu holen, und wurde immer wieder abgeschreckt und entmutigt von monatelangen Wartezeiten und unangenehmen Therapieerfahrungen. Ich habe letztendlich Jahre gebraucht, bis ich endlich bei einer wundervollen Psychotherapeutin gelandet bin, mit deren Hilfe ich nach und nach die Kontrolle über mein eigenes Leben zurückgewinnen konnte. Das klingt wie ein Happy End und das ist es ein Stück weit auch, aber manchmal komme ich nicht umhin, mich zu fragen, wie mein Leben jetzt aussähe, wenn ich viel früher professionelle Unterstützung in irgendeiner Form gefunden hätte. Es gibt so viele verschiedene Anlaufstellen, um die ich lange Zeit nicht wusste und die mich teilweise wirklich weitergebracht hätten.

Vielleicht kann mein angehäuftes Wissen nun also dir zugutekommen. Im Folgenden findest du eine ganze Liste mit Ansprechpartner*innen und Ressourcen, die darauf ausgerichtet sind, dir zu helfen, wenn du mal ins Straucheln kommst. Glaub mir, das ist vollkommen normal und nichts, wofür du dich schämen musst. Wir alle brauchen manchmal ein bisschen Hilfe.

Erste Schritte

Sich Unterstützung zu suchen kann anfänglich schwer sein – vor allem, wenn man gar nicht so genau weiß, was eigentlich los ist. Dennoch ist es wichtig, mit jemandem über seine Probleme zu reden. Vielleicht hast du Familie oder Freunde, mit denen du ganz offen sein kannst, aber vielleicht fühlst du dich auch erst einmal mit Gesprächspartner*innen wohler, die dich gar nicht kennen. Zum Glück gibt es eine Vielzahl von Anlaufstellen, die darauf ausgerichtet sind, Betroffene und auch ihre Angehörigen mit Informationen zu versorgen und Hilfe anzubieten.

TelefonSeelsorge
Eine gute erste Anlaufstelle für alle mit Redebedarf ist die Organisation TelefonSeelsorge. Dieses Angebot richtet sich explizit nicht nur an suizidgefährdete Menschen, sondern ist für alle da, die auf irgendeine Weise Rat suchen und mit jemandem über ihre derzeitigen Probleme reden möchten. Gespräche können per Telefon, Mail und sogar Chat geführt werden.
https://www.telefonseelsorge.de/

Psychologische Beratungsstellen
In vielen Städten gibt es Psychologische Beratungsstellen, die neben der Möglichkeit zur persönlichen Beratung beispielsweise auch Vorträge, Gesprächsgruppen und Kurse anbieten.
Psychologische Beratungsstelle Freiburg: https://www.freiburg.de/pb/228540.html

Info-Telefon Depression
Unter der Rufnummer 0800 3344533 erreicht man das Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Dort bekommt man krankheits- und behandlungsbezogene Informationen und Hinweise zu Anlaufstellen im bestehenden Vorsorgesystem.
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/info-telefon

Einen Therapieplatz finden

Falls du dich dafür entscheidest, längerfristige Hilfe in Form einer Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, habe ich auch dazu ein paar Tipps für dich. Hier findest du erst mal einen kurzen Überblick darüber, welche Arten von Psychotherapie es überhaupt gibt:
https://www.psychotherapiesuche.de/pid/therapie
https://www.apotheken-umschau.de/Psychotherapie

Das Erste, was du für deine Suche wissen musst, ist, dass du dich nicht von den langen Wartezeiten abschrecken lassen darfst. Viele Therapeut*innen sind bereits Monate im Voraus ausgebucht oder nehmen phasenweise keine neuen Patient*innen auf, weshalb es meistens nur die Möglichkeit gibt, sich auf die Warteliste setzen zu lassen. Mein Tipp ist es deshalb, am besten gleich mit ein paar Therapeut*innen in Verbindung zu treten, um auf mehreren Wartelisten gleichzeitig zu stehen. Ebenfalls erschreckend können die Kosten sein, die ggf. für eine psychotherapeutische Behandlung anfallen. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, wobei die billigste die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse ist und die teuerste die Selbstfinanzierung aus eigener Tasche. Informiere dich am besten im Vorfeld, welche Zahlungsmöglichkeiten die von dir kontaktierten Therapeut*innen anbieten.

Abschließend will ich dir noch folgenden Rat geben: Probiere unterschiedliche Therapeut*innen aus, bis du jemanden gefunden hast, bei dem du dich wirklich wohlfühlst. Psychotherapie kann – besonders zu Anfang – schwer sein, weil man sich einer fremden Person gegenüber verletzlich machen muss. Deshalb ist ein gutes Verhältnis, in dem man sich sicher und verstanden fühlt, extrem wichtig. Hab keine Angst davor, dich gegen einen bestimmten Therapieplatz zu entscheiden, wenn du nach den ersten Probestunden merkst, dass die Chemie mit dem oder der Therapeut*in einfach nicht stimmt.

Nun aber zu der Frage, wie du einen Therapieplatz findest. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB) und die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) sind gute erste Anlaufstellen auf der Suche nach Therapeut*innen in deiner Umgebung. Sie haben beide große Online-Datenbanken, in denen man nach ausgewählten Kriterien wie beispielsweise Therapieverfahren oder Fachrichtung nach dem Angebot am gewünschten Standort suchen kann.
Kassenärztliche Vereinigung: https://www.kbv.de/html/432.php
Bundespsychotherapeutenkammer: https://www.bptk.de/service/therapeutensuche/

Hilfe bei der Suche erhältst du auch von den oben genannten Anlaufstellen wie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe oder der Psychologischen Beratungsstelle an deinem Wohnort. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich zunächst mal an den Hausarzt oder die Hausärztin zu wenden. Je nachdem kann er oder sie dir durch berufliche oder persönliche Kontakte auch ein paar Türen öffnen. Wenn du dich damit wohlfühlst, kannst du auch mal in deinem Freundes- und Bekanntenkreis rumfragen, ob dir jemand einen Tipp geben kann. So bin ich letztendlich auch zu meiner Therapeutin gekommen – meine Tante war früher eine Patientin von ihr und hat sie mir empfohlen, als ich auf der Suche war, und als letztes Jahr eine Freundin von mir eine depressive Phase hatte, habe ich wiederum sie dorthin vermittelt.

Abschließend kann ich nur noch einmal wiederholen, was ich zu Anfang bereits sagte: Wir alle brauchen manchmal ein bisschen Hilfe und sich Unterstützung zu holen, ist das Beste, was man für sich selbst tun kann.

 

Foto: CC by Wokandapix auf Pixabay

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