Mutmacher: Tipps für Studienanfänger*innen

Mutmacher: Tipps für Studienanfänger*innen

Nach dem Abitur studieren – das ist der Wunsch und die Vorstellung von vielen in der Oberstufe. Ich persönlich wurde jedoch kaum darauf vorbereitet, wie ein Studium tatsächlich aufgebaut ist und auf welche Hindernisse, sowohl im Studium selber, als auch im Alltag, man stoßen kann.

Außerdem haben viele bei der Wahl des Studiengangs nur eine grobe Idee davon, worauf sie sich mit dem gewählten Fach genau einlassen. Es ist aber okay, in das Studium zu gehen, ohne genaue Vorstellungen vom Studiengang und den damit einhergehenden Herausforderungen zu haben, auf die in dem folgenden Beitrag eingegangen wird. Denn meiner Erfahrung nach gilt hier der so beliebte und frequent benutzte Spruch „learning by doing”. Die Studienzeit lässt sich sehr gut dazu nutzen, Dinge auszuprobieren und nach und nach herauszufinden, wo die Lebensreise hingehen kann.

Vor dem Studium besteht vielleicht die Angst, dass der gewählte Studiengang nicht den Vorstellungen und Erwartungen entspricht und dass nun mindestens sechs quälende Semester anstehen. Doch ich persönlich war erstaunt, als ich angefangen habe zu studieren, wie viele Mitstudierende ihr Fach wechseln. Deswegen möchte ich allen Studienanfänger*innen den Tipp geben: Macht euch keinen Stress, wenn ihr nach dem ersten, zweiten oder sogar dritten Semester mit eurem Studiengang nicht zufrieden seid. Ihr seid nicht die Einzigen, die das Fach noch einmal wechseln. Man muss sich nur trauen, etwas Neues anzufangen.
Auf mystipendium.de findest du einen Beitrag über Studiengangwechsel, der eventuell hilfreich sein kann: https://www.mystipendium.de/studium/studiengang-wechseln

Auf dich alleine gestellt? Nicht ganz

Im Alltag wirst du es vermutlich zu schätzen lernen, wie es war, als du noch Zuhause gewohnt hast. Egal, ob es um einkaufen, putzen, Wäsche waschen, kochen oder sonstige anstehende Hausarbeiten geht – irgendwann kommt vermutlich bei den meisten der Moment, in dem sie sich wünschen, all das würde sich von selbst erledigen. Plötzlich scheint der Kühlschrank sich nicht mehr magisch zu füllen und es wird dir nichts mehr hinterher geräumt. Anfangs nervt das vielleicht, aber sobald man die groben Sachen raus hat, ist es halb so schlimm. Ich finde, es ist dann sogar umso schöner, wenn ich mal wieder nach Hause komme und sich meine Familie darum sorgt, dass ich auch genug zu essen bekomme. Seitdem weiß ich die Arbeit zu schätzen, die meine Eltern so viele Jahre getan haben.

Du solltest dich darauf einstellen, dass dir am Anfang des Studiums oft gesagt wird, dass dir ab sofort niemand mehr nachrennen wird und dich an die Hand nimmt, damit du alle Termine einhältst und keine Abgaben verpasst. Das ist tatsächlich so. Ob es darum geht, Prüfungen anzumelden oder deinen Stundenplan zu erstellen – du musst selber zusehen, dass du an all diese Dinge denkst und sie gewissenhaft erledigst. Doch es gibt immer nette Kommiliton*innen, die dir eine Erinnerung schicken oder mit denen du dich austauschen kannst, wenn es mal Probleme gibt. Denn viele Studierende sind in der gleichen Situation und froh über gegenseitige Hilfe. Auch zum Lernen werden gerne Lerngruppen gebildet, damit niemand ganz auf sich alleine gestellt ist. Für manche ist es eine große Hilfe, wenn ein paar Leute darauf schauen, ob du das Wichtigste in Vorlesungen mitgeschrieben hast oder ob dir noch klausurrelevante Themen fehlen. So können sich alle Tipps holen und offene Fragen in der Gruppe besprochen werden.

Der Kalender – dein Freund und Helfer im Studium

Ein großer Unterschied zwischen Schule und Uni ist, dass man sich, wie bereits erwähnt, eigenständig für Prüfungen anmelden muss. Anmeldefristen solltest du unbedingt einhalten! Denn auch, wenn du nette Professor*innen und Dozent*innen hast, können diese in so einer Situation nichts für dich tun und dich nicht nachträglich anmelden. Für diese Angelegenheiten ist das sogenannte Prüfungsamt zuständig und wenn deine Anmeldung dort nicht rechtzeitig eingeht, kann es sein, dass du die Prüfungen nicht schreiben darfst und das ganze Seminar oder die Vorlesung in einem anderen Semester noch einmal machen musst. Also mein Tipp: die Anmeldefristen immer groß in den Kalender eintragen!

Student*innen sitzen im Semester in Vorlesungen und dann haben sie drei Monate Semesterferien, können entspannen und auf Reisen gehen. So stellen es sich die meisten in der Schule vor. Doch Ferien sind nicht unbedingt das Programm in dieser Zeit. Klausuren und Hausarbeiten müssen geschrieben werden und sehr oft gibt es noch reichlich andere Aufgaben, die in den Semesterferien erledigt werden müssen. Du solltest also nicht davon ausgehen, dass du tatsächlich drei Monate nichts zu tun hast und nur relaxen kannst.

Das akademische Viertel

Du bist oft spät dran, wenn du einen Termin zur vollen Stunde hast und kommst erst um viertel nach an? Im Studium ist das oft kein Problem, denn hier gibt es das sogenannte akademische Viertel. Es wird mit c.t. gekennzeichnet, was auf Lateinisch ,cum tempore’ bedeutet und übersetzt so viel heißt wie ,mit Zeit’. Das soll heißen, dass die Veranstaltung 15 Minuten später losgeht als angegebenen. Wenn also 10:00 Uhr c.t. angegeben ist, geht es um 10:15 Uhr los. Das akademische Viertel ist allerdings der Regelfall und wird somit meist nicht gekennzeichnet. Stattdessen werden nur die Zeiten mit einem s.t. versehen, die tatsächlich zur angegebenen Zeit starten sollen. S.t. bedeutet ,sine tempore’, was ,ohne Zeit’ heißt und bedeutet, dass eine Veranstaltung bei 10:00 Uhr s.t. um Punkt 10:00 Uhr beginnt. Das klingt anfangs komplizierter, als es letztendlich ist, aber es ist hilfreich, das vor Beginn des Studiums wissen.

Lesen, lesen, lesen…

Wer ein geisteswissenschaftliches Studium anfängt, muss sich darauf einstellen, dass tatsächlich sehr viel gelesen wird. Personen, die nicht gerne lesen, sollten also Abstand von einem solchen Studium nehmen. Sogar Leute, die gerne lesen, beschweren sich manchmal über die Mengen, die gelesen werden müssen – was umso deutlicher zeigt, dass ein geisteswissenschaftliches Studium nichts für Lesefaule ist. Denn es muss eine theoretische Grundlage geschaffen werden, um fundierte Forschung zu betreiben.

Also keine Panik

Abschließend möchte ich sagen, dass der Anfang eines Studiums sehr fordernd sein kann. Ich kann hier aber auch beruhigen und aus Erfahrung versprechen, dass sich die meisten schnell im Unialltag zurechtfinden und daran gewöhnen. Das gilt sowohl für Organisatorisches im Studium, als auch für die Aufgaben im Alltag. Das Wichtigste ist, dass dir dein Studium Spaß macht und du dir auch außerhalb des Studiums ein soziales Umfeld aufbaust und zwischendurch das Leben genießt. Natürlich kann auch mal was schiefgehen, aber Fehler dürfen wir uns auch leisten, siehe folgender Artikel in der Zeit: https://www.zeit.de/campus/2010/06/titelgeschichte

 

Bild: gefunden bei StartupStockPhotos (pixabay, CC BY) – bitte Link und wenn möglich den Urheber namentlich angeben

 

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