Über die Meinung der anderen, die Wahl des Studiengangs und die eigenen Ziele

Über die Meinung der anderen, die Wahl des Studiengangs und die eigenen Ziele

In meinem Beitrag möchte ich dem Rechtfertigungsdruck der Studienwahl entgegentreten und den eigenen Zielen, die hinter dieser Entscheidung stecken, auf den Grund gehen.

Wer nicht gerade eines der klassischen Studienfächer belegt, die jede*r vom Hörensagen kennt, fällt in den meisten Fällen durch ein unsichtbares Raster der Gesellschaft. Niemand kennt das Fach, was soll das sein? Das ist doch kein Studium. Insbesondere die Geisteswissenschaften haben mit solchen Vorurteilen zu kämpfen. Dabei spielt nicht nur die Wahl eines Faches eine bedeutende Rolle. Auch die Wahl des Nebenfaches führt bei einigen Kombinationen zu verdutzten Gesichtern.

Jeder Mensch ist individuell, also wieso für etwas rechtfertigen?

„Wie kommen Sie denn auf diese Kombination, geht das überhaupt zusammen?“ Fragen wie diese kann ich mittlerweile den verblüfften Gesichtern vieler Menschen problemlos ablesen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie im Haupt- und ein wirtschaftswissenschaftliches Fach im Nebenfach studiere. Mittlerweile kann ich mein Gegenüber ganz gut davon überzeugen, dass es sich dabei um eine sinnvolle Kombination handelt, die meine Berufsaussichten verbessern könnte.

Aber weshalb führt die Fächerkombination einiger Studierender immer wieder zu solchen Verwirrungen? Und muss man sich wirklich für das rechtfertigen, was man tut? Heute kann ich guten Gewissens sagen: Nein! Denn jedes Fach für sich hat seine Daseinsberechtigung und kann den Horizont eines jeden Menschen ungemein erweitern. Wir können uns alle glücklich schätzen, dass wir die Möglichkeit haben, uns zwischen so vielen facettenreichen Studiengängen entscheiden zu können, und sollten dabei keine Rücksicht darauf nehmen, was unser Umfeld oder fremde Menschen zu solch einer Entscheidung sagen.

Keine*r sollte vergessen, dass jedes Individuum in seinem Leben völlig unterschiedliche Interessen entwickelt und diese in den unterschiedlichen universitären Fakultäten und Studiengängen gefördert und ausgebaut werden. Denn was spricht schon dagegen, sich einerseits für den asiatischen Raum und die Sinologie zu interessieren, auf der anderen Seite auch Freude daran zu haben, kulturelle Aushandlungen des europäischen Raumes zu entdecken? Richtig, absolut nichts… also: go for it! Natürlich ist es naheliegend, sich eine Fächerkombination aus zwei Fächern auszusuchen, die derselben Fakultät angehören. Das muss aber keinesfalls so sein.

Von der Wahl der Fächerkombination

Zu Beginn des Studiums war mir eine Sache direkt klar: die Wirtschaftswissenschaften interessieren mich zwar, aber ein reines BWL bzw. VWL Bachelor-Studium kam für mich nicht in Frage. Dafür bot es mir persönlich zu wenig Freiraum zur Entfaltung. Denn in dem viersemestrigen Grundstudium bleibt einem gegen Ende nicht mehr viel Möglichkeit, die persönlichen Interessen weiter zu vertiefen, denn hier lautet die Devise, zumindest verschiedenen Erzählungen zufolge: Hauptsache man bekommt überhaupt einen Platz in einem Seminar. Trotz allem sollten ein paar wirtschaftliche Basics in meinem Studium nicht fehlen. Demnach war die Wahl meines Nebenfachs tatsächlich ein leichtes Spiel.

Schwieriger gestaltete sich die Wahl des richtigen Hauptfaches. Immer mit den Fragen im Hinterkopf, ob mir das bestimmte Fach Spaß bereiten würde, ob es in meinem Interessensfeld liegt und wie es sich mit dem Nebenfach vereinen ließe, durchforstete ich sämtliche Studienangebote – mit dem Resultat, immer wieder bei der Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie zu landen.

Möglichkeiten, was zu Beginn leicht überfordernd auf mich wirkte; sich aber immer weiter differenzieren ließ. Wo fange ich an, mich über die möglichen Studienfächer zu informieren; und wo nimmt das irgendwann auch mal ein Ende? Hilft mir bei meiner Entscheidung eventuell auch eine Studienfachberatung? Die Wahl der Studienfächer ist interessengesteuert, eventuell ist es sogar ein Bauchgefühl. Da sollte die Meinung anderer einen möglichst geringen Raum einnehmen. Häufig ist die interessengebundene Wahl die beste, aber sie ist nicht leichtfertig zu treffen.

Und welche Ziele verfolgt man mit einem solchen Studiengang?

Ob die Fächerkombination von Beginn des Studiums an ein bestimmtes Ziel verfolgt, das sei mal dahingestellt. Denn genau wie die Kindergartenzeit, die Grundschulzeit und die Zeit auf dem Gymnasium fördert auch die Zeit während des Studiums ständig neue Interessen – welche wiederum neue Berufsperspektiven eröffnen können. Berufe, die vielleicht nicht immer sofort ersichtlich sind, die aber immer mehr Bedeutung in unserer Gesellschaft gewinnen.

„Aha, und was macht man dann mit dem Studium? Was war das gleich noch? Kultur… – wie?“ Die Kulturanthropologie ist ein so vielfältiges Fach, da mache ich mir mal überhaupt keine Sorgen um meine berufliche Zukunft. Um das Fach zu vertreten, ist dies stets meine erste Argumentation. Probieren geht eben oftmals doch über studieren; und so finden auch die Geisteswissenschaftler*innen ihre Nischen in der Berufswelt. Eine Vielzahl Studierender hat bereits vor uns eigene Nischen für sich gefunden, weshalb sollte uns das nicht so gehen?

Aber lässt sich auch Geisteswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft miteinander verknüpfen? Selbstverständlich ist das möglich; und bringt mitunter auch zahlreiche Vorteile. Die verschiedenen Herangehensweisen und Methoden bieten die Möglichkeit, gewisse Aspekte nochmals aus einer anderen Sichtweise zu betrachten und hervorzuheben. Wer nach dem Bachelor-Abschluss einen Master anstrebt, hat durch diese Fächerkombination sicherlich auch gute Chancen, einen passenden Master-Studiengang zu finden. Insbesondere Kulturmanagement und Kulturtouristik werden immer beliebtere Studiengänge, die viel Perspektive für das Berufsleben bieten. Und selbst wenn der Master keine Option ist, dann gibt es immer noch genügend Alternativen, einen Mehrwert aus dem Studium zu ziehen!

Wer sich nun immer noch unsicher mit seiner Studienwahl ist, für den hier noch einen Link:
http://www.studienberatung-in.de/

Und wer schon an den Master denkt…:
https://www.studieren-studium.com/master/studieren/Kulturmanagement-Deutschland

 

Bild: Pixabay, geralt: “Richtig Richtung Rechts”

https://pixabay.com/de/illustrations/richtig-richtung-rechts-links-238369/

 

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