Mehr als nur ein klassischer Museumsjob!

Mehr als nur ein klassischer Museumsjob!

Bei all der Vielfältigkeit der hier vorgestellten Berufsperspektiven darf auch ein Klassiker nicht fehlen: Sabine Wagner (42) hat Ethnologie und Kulturanthropologie studiert und arbeitet nun schon seit mehreren Jahren als Kuratorin im Museum. Ihr Job ist dabei sehr vielseitig und stellt sie vor einige Herausforderungen.

Sabine wirkt angespannt, aber auch voller Vorfreude. „Eine Grundschulklasse mit 28 Kindern“, sagt sie. „Das kann schon sehr anstrengend werden.“ Neben einer klassischen Führung durch das Stormansche Dorfmuseum in Hoisdorf steht heute Museumspädagogik auf dem Programm. Die Kinder sollen lernen, Getreidekörner per Hand mit einem Mahlstein zu Mehl zu verarbeiten. Außerdem erfahren sie den Umgang mit einem Steinbohrer.

„Wir wollen es den Kindern hier ermöglichen nicht nur Wissenswertes aus der Vergangenheit zu erfahren, sondern auch Geschichte hautnah zu erleben.“

„In Museen herrscht eine ganz eigene Atmosphäre.“

Für ihren Beruf als Kuratorin hat Sabine eine relativ klassische Ausbildung hinter sich: Nach ihrem Abitur reiste sie für zwei Jahre durch Südamerika und Asien. Durch den vielen Kontakt mit fremden Menschen und Kulturen fiel ihre anschließende Studienwahl auf das Fach Ethnologie. Weil sie damals nicht gerne dauerhaft an einem Ort blieb, wechselte sie bereits während ihres Bachelor-Studiums ihren Wohn- und Studienort von Göttingen nach Hamburg. Für ihr Master-Studium zog Sabine schließlich nach Basel. „Obwohl ich gerne draußen und unterwegs bin und viel mit Menschen zu tun haben möchte, haben mich Museen schon immer fasziniert. In ihnen herrscht eine ganz eigene Atmosphäre, da fühle ich mich irgendwie sehr wohl.“

Erste Erfahrungen durch Praktika

Bereits während ihres Studiums absolvierte Sabine daher mehrere Praktika in Museen. Dazu gehören beispielsweise das Museum für Völkerkunde in Hamburg, das Städtische Museum Göttingen und das Dreiländermuseum in Basel. In letzterem konnte sie schlussendlich auch nach ihrem Studium weiter arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt sorgte ihr Privatleben für eine Änderung in ihren Plänen. Weil Sabines Mutter schwer erkrankt, beschließt sie, wieder in ihre Heimatregion bei Hamburg zu ziehen. „Ich konnte mir schon vorstellen irgendwann einmal wieder in der Heimat zu wohnen, aber das kam dann doch sehr plötzlich.“

Weit mehr als nur Pflege und Führungen…

Doch Sabine hatte gleich in mehrerer Hinsicht Glück: Sie fand ihren jetzigen Job im Stormanschen Dorfmuseum in Hoisdorf, das sich nur einige Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Nachdem es auch ihrer Mutter wieder besser ging, lernte sie auch ihren heutigen Ehemann kennen, mit dem sie eine Tochter hat. Neben ihrem Job als Mutter ist der Beruf ihre größte Herausforderung: „Wenn ich Leuten erzähle, dass ich in einem Museum arbeite, denke sie häufig, dass ich den ganzen Tag nur Ausstellungsstücke pflege und Besucher durch das Museum führe.“ Zu ihrem Job gehört jedoch deutlich mehr:

„Da wir sehr häufig Besuch von Schulklassen und Kindergartengruppen bekommen, legen wir in unserem Museum sehr viel wert auf Museumspädagogik. Wir wissen doch alle, dass Kinder nur schwer für ein klassisches Dorfmuseum zu begeistern sind. Aber einem Hufschmied bei seiner Arbeit zuzuschauen oder mit altertümlichen Geräten ein Feuer zu löschen kann viel Begeisterung erzeugen.“

…Kreativität ist gefragt!

Teilweise kommen an einem Tag gleich mehrere Schulklassen zu Besuch. Sabine und ihre KollegInnen haben dann alle Hände voll zu tun. „Für den pädagogischen Teil der Arbeit bin ich nie wirklich ausgebildet worden. Das habe ich quasi nebenbei gelernt. Und jetzt ist es der Teil der Arbeit, der mir am meisten Spaß bringt.“ Daneben sind vor allem Sabines Kreativität und Einfallsreichtum gefragt. Es gilt ständig neue Aktivitäten zu planen, denn auch ein Museum lebt von seinen Besucher*innen und die wollen unterhalten werden. „Wir sprechen gerade mit einem Förster und einem Jäger, um gemeinsam mit ihnen eine Führung durch den angrenzenden Wald durchführen zu können.“ Dies sei auch ein Vorteil des dörflichen Museums. Hier kenne jeder jeden und alle seien eine große Familie. Dadurch sei auch der Job entspannter. „Stressig sind wirklich nur einige der Schulkinder,“ sagt Sabine, „aber damit komme ich klar. Ich habe ja auch eine eigene Tochter.“

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