Volontari-whaat?!

Volontari-whaat?!

Jana berichtet von ihrem Arbeitsalltag als Volontärin in einer Außenstelle des Badischen Landesmuseums und gibt Einblicke in die Welten des wissenschaftlichen Volontariats.

Den Bachelor in Kulturanthropologie/ Volkskunde und Kunstgeschichte machte Jana in Mainz und schloss dort auch ihren Master in Kulturanthropologie/ Volkskunde ab. Kurz vor Ende des Studiums schrieb sie eine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Volontariats-Stelle beim Badischen Landesmuseum (BLM). „Das war meine erste Bewerbung, die ich geschrieben habe, noch im Studium.“ Große Hoffnungen hatte Jana dabei keine. Ihr galt die Bewerbung mehr als „Fingerübung um mal einen Grundstein zu legen.“ Der Anruf mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch erreichte sie damals im Urlaub. Jana kannte das Museum schon aus einem studentischen Forschungsprojekt und die Bedingungen für die Volontariats-Stelle in einer Außenstelle des BLM erschienen fair: „Es ist schon in diesem Ausschreiben und dem Vorstellungsgespräch geklärt und betont worden, dass es sich um ein vorbildliches Volontariat handelt“, erklärt Jana.

„Eigentlich sehr überzeugt“

Volontariat ist nicht gleich Volontariat. Museale Volontariate sind bisher in keinem Gesetz näher definiert und so gibt es auch keine rechtlich geregelten inhaltlichen Normen. Ein Arbeitskreis des Deutschen Museumsbundes hat die Initiative Vorbildliches Volontariat ins Leben gerufen. Darin werden faire Bedingungen für Volontär*innen gefordert und klare Vorgaben für die Qualität eines Volontariats formuliert. Das BLM greift diese Forderungen, als Arbeitgeber, auf. Für Jana bedeutet das, dass die „Bezahlung fair ist, dass es regelmäßige Fortbildungen gibt, dass es die Möglichkeit gibt, an Tagungen teilzunehmen und eben eine Ausstellung zu konzipieren, also wirklich auch ein Produkt am Ende zu haben. Das hat mich eigentlich sehr überzeugt.“ Der auf zwei Jahre befristete Vertrag schreibt 39,5 Wochenstunden vor, wofür sie monatlich 1750€ brutto erhält. „Netto bleibt da auch nicht so super viel übrig, wenn die Miete abgezogen ist, hier in Freiburg. Aber ich kann davon leben.“

„Ein Fass ohne Boden“

Heute ist Jana Volontärin in der Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums in Staufen, einer Stadt am Fuße des Schwarzwaldes, südlich von Freiburg. Die von 1960 bis 2005 unter dem Namen Landesstelle für Volkskunde geführte Außenstelle befasst sich heute wissenschaftlich primär mit Fotonachlässen, die einen regionalen Bezug aufweisen. „Wir sind hauptsächlich ein Bildarchiv“, erklärt Jana. Das heißt, dass sie viel mit dem Scannen und Digitalisieren der verschiedenen Bildquellen beschäftigt ist: „Morgens geh ich ins Archiv, um mir ‘ne Kiste mit Bildern zu holen und scanne erst einmal ein paar Stunden.“ Danach lädt sie die Bilder in das „elektronische Inventarbuch“ des BLM, eine zentrale digitale Datenbank der Bestände des Museums und seiner Sammlungen. Da viele Bildquellen der Außenstelle nicht erfasst und inventarisiert sind, „ist das eigentlich ein Fass ohne Boden. Also da kannst du wirklich stundenlang einfach Bilder einstellen und ‘nen Datensatz dazu anlegen“. Zu Janas Tagesgeschäft in Staufen gehört auch das Transkribieren: „Wir haben Fragebögen zum badischen Volksleben von 1895. Das ist halt auch so ein Thema mit dem man sich immer wieder befassen kann.“ Ansonsten recherchiert sie für das gemeinsame Projekt mit weiteren Volontär*innen des BLM. Zusammen arbeiten sie an der Konzeption einer eigenen Ausstellung. Da es in der Außenstelle sonst „eher ruhig ist und nicht so viele Nutzer kommen, die irgendwelche Anfragen haben“, dreht sich Janas Arbeitsalltag oft zu großen Teilen um das Erfassen und Verwalten der Bestände des Bildarchivs.

„Das Archiv ist kein Museum“

Die bisherige Arbeit als Volontärin vermittelt ihr „einen realistischen Eindruck von der Arbeit im Museum“, sagt Jana. Neben den Aufgaben in Staufen gehören auch Fortbildungen zum Volontariat. Dazu fährt sie alle zwei Wochen in die Zentrale des BLM nach Karlsruhe. Die letzte Fortbildung drehte sich um das Thema Museumspädagogik und den Umgang mit Besucher*innen. „Aber mir gemangelt’s da an der praktischen Umsetzung im Alltag. Das bietet sich jetzt auf meiner Stelle nicht, weil das Archiv ist kein Museum.“ Da momentan keine Ausstellungen durch die Außenstelle Südbaden betreut werden, muss sich Jana auf den Weg nach Karlsruhe machen, um Führungen geben zu können. Volontär*innen in Karlsruhe „haben vielleicht ein bisschen mehr Vorbilder. Die können sich immer mal ‘ne Kuratorenführung anschauen und davon lernen. Das hab ich jetzt halt nicht, aber da muss man sich das halt eben schaffen“, ist Jana der Meinung. Die Nachteile, die mit dem Standort Staufen verbunden sind, erfordern von ihr deshalb Eigeninitiative: „Ich glaub das ist ‘ne ganz wichtige Message, die ich jetzt versuche auch zu senden, dass man einfach auch Ansprüche haben darf und muss als Volontär, weil sonst geht man bisschen unter.“

„So ein Mittelding zwischen Studium und Beruf“

Das Volontariat bedeutet für Jana Berufseinstieg. Jedoch einer, bei dem der Charakter einer Ausbildung überwiegt: „Man ist kein Praktikant mehr, also es wird schon mehr von einem erwartet, aber man muss noch nicht alles wissen und das ist schon entlastend.“ Ihre Rolle als Volontärin sieht sie dabei mit „gewissen Freiheiten verbunden, die andere Mitarbeiter nicht mehr haben. Man hat, wie man so schön sagt `Welpenschutz´.“ Berufliche Perspektiven nach dem zweijährigen Volontariat sind jedoch schwierig. Während sich Volontariatsstellen am BLM von 2002 bis 2015 von knapp 400 auf etwa 800 verdoppelt haben, sind unbefristete Stellen auch heute rar. „Eigentlich rechnet sich da niemand Chancen aus. Die Hoffnung ist aber schon im Hinterkopf, dass vielleicht danach noch ein Projektvertrag raus springt oder eine Elternzeitvertretung.“ Erlebt habe sie das selbst schon drei Mal, dass Volontär*innen auch nach dem Volontariat, meist mit Zeitverträgen, weiter beschäftigt wurden. Auch die momentane Leiterin der Außenstelle in Staufen habe einmal als Volontärin am BLM angefangen. „Also es geht schon, ich glaub man muss halt Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, wie so oft.“

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