Vom Studium des Alltäglichen zur Verfilmung des Alltags.

Vom Studium des Alltäglichen zur Verfilmung des Alltags.

Warum das Wissen über ein Fußballstadion als paradigmatisches Forschungsfeld dabei helfen kann Journalistin zu werden. Andrea S. ist TV-Autorin und hat Kulturanthropologie in Freiburg studiert. Wie sie von Kulturanthropologie zu dem Beruf TV-Autorin gekommen ist, was sie heute genau macht und was das Studium ihr für ihren heutigen Beruf gebracht hat, erfahre ich in einem Interview mit ihr. 

Andrea, was machst du jetzt grade aktuell beruflich?

Ich bin (momentan) selbständige TV-Autorin, also Fernsehautorin und Redakteurin. Ich produziere eigentlich ganz unterschiedliche Fernsehformate. Von Magazinbeitrag bis hin zu Reportage und Dokumentationen ist eigentlich alles dabei.

Andrea wollte ursprünglich Medien und Kommunikationswissenschaften studieren, doch da war der NC- einfach zu hoch. Sie fing an  Spanisch und Gender Studies in Freiburg zu studieren. Schnell merkte sie, „das ist nichts für mich.“ Über eine Freundin hat sie von dem Studiengang Kulturanthropologie erfahren „und dann dachte ich mir warum nicht“… Am Anfang ging es ihr wie vielen, das Studium ist sehr breit gefächert, sie wusste nicht genau auf was das Fach hinaus wollte bzw. auf was sie den Fokus legen möchte. Dann ist sie für ein Jahr in die USA gegangen und hat dort Cultural Anthropology studiert. Dort hat sie ihre Liebe zur Populärkultur entdeckt, was sie auch heute noch versucht möglichst oft in ihrem Beruf mit einzubinden. 

„Ich dachte mir das mit den Medien kann ich mir abschminken, das wird nichts.“

Wie bist du als Kulturanthropologin zum Journalismus gekommen?

„Meine ersten Praktika habe ich  beim Hessischen Rundfunk und beim ZDF gemacht und das fand ich schon damals mega spannend. Aber mir war auch klar, dass ich eigentlich ohne einen Abschluss in Kommunikations- oder Medienwissenschaften, Schwierigkeiten  haben werde, da direkt einzusteigen.  Deswegen habe ich mich auch nach dem Studium erst einmal für Praktika beworben: Nach ein bisschen jobben bei der badischen Zeitung,  habe ich bei einer Produktionsfirma in München einen Praktikums-platz bekommen. Die haben Galileo und so gemacht. Eigentlich wollte ich gar nicht in die Richtung, bin dann aber dort geblieben und habe ein Volontariat für 4 Jahre gemacht. In der Zeit habe ich dann alle möglichen Beiträge für Galileo produziert und verschiedene Erzählformen gelernt. Danach habe ich mich selbstständig gemacht.“ 

Oftmals ist schon das, die erste Hürde – einen Praktikumsplatz finden. Andrea hat die Erfahrung gemacht, dass die Bewerbung, sei es auf einen Job oder auf ein Praktikum viel mit der Verpackung zu tun hat. „ Es gibt sicher auch Leute die vom Studium kommen, also gerade von Geisteswissenschaften und sagen –  ja ich hab’s halt studiert weil mir sonst nichts besseres eingefallen ist, aber ich glaube das kommt immer nicht so gut ( lacht ).“ Allerdings hat sie die Erfahrung gemacht, das Arbeitgeber eher interessiert an dem Fach sind, genau aus dem Grund weil sie es eben nicht genau zuordnen können. „Die haben dann eigentlich eher immer nachgefragt so nach dem Motto : ‚Kultur was?‘ – und dann habe ich halt immer dadurch dass, das Studium so breit gefächert ist, Zusammenhänge schaffen können, je nachdem was der/die Arbeitgeber*in halt hören und sehen wollen ( z.B. im Fernsehen). Ich hab zum Beispiel dann bei einer Bewerbung eben auch erzählt dass ein Prüfungsthema Fußball war. Du findest halt durch die ganzen verschiedenen Inhalte eigentlich immer Themen, die zu dem Job passen und über was du sprechen kannst. In Kulturanthropologie will man ja immer den Menschen nahe kommen und so konnte ich das eigentlich immer gut verkaufen, sodass man das Gefühl hatte – okay die kann sich schnell  in  Themen einfinden. Eigentlich, denke ich, ist das auch schon das wichtigste, sich flexibel in ein Thema einzufinden und zu denken.“

Ist es schwer als Kulturanthropologin einen Job zu finden?

“Mhm, das ist eigentlich ein ganz interessanter Punkt. Ich denke mir immer: Was ist denn heutzutage schon leicht?  Es wird einfach viel Flexibilität erwartet.  Viele studieren gleich schon Fernsehwissenschaften oder Kommunikationswissenschaften und kommen dann eben auch oft oder sogar meistens mit einem ganz spezifischen handwerklich- und praxisorientiertem Wissen, aber denen fehlen eben oft die Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten. Also jetzt grade in der Medienbranche oder als Beispiel, in der Firma in der ich in München gearbeitet habe, habe ich mir auch viele Bewerbungen auf Praktika oder Volontariate angeschaut und eingestellt und da würde ich sagen, dass es sogar sehr gut war dass man ein Fach studiert hat, dass sich mit anderen Inhalten auseinandersetzt. Ich hab generell irgendwie so ein Gespür für Alltagsgeschichten durch das Studium entwickelt und das ist ja eigentlich genau das was die Branche sucht.”

Wenn wir davon sprechen, kannst du Bereiche aus der Kulturanthropologie bzw. aus deinem Studium für den Beruf anwenden ? 

Ja also ich glaube es ist eine Mischung. Also ich bin ja erst mit 27 in das Berufsleben eingestiegen und für mich war es sehr wichtig als ich in die Medienbranche eingestiegen bin, weil diese schon sehr an einem zehrt, zu wissen in welche Richtung ich gehen möchte.  Aber genau, und ich glaube das kam durch mein Studium, hatte ich das Gefühl eine Reife bzw. eine Art erlernt, mit Wissen umzugehen und dieses schnell umzusetzen. Aber gleichzeitig ist es halt auch so, dass wenn man dann in einem Beruf praxisorientiert arbeitet, und seine ersten Sachen machen muss, man da halt auch sowieso total schnell rein kommt. Also ich glaube es ist eine Mischung aus beidem. 

Also bist du rückblickend zufrieden welchen Studiengang du gewählt hast ? 

Ja voll.

Andrea, danke dass du dir Zeit genommen hast.

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