Werdegang einer Kulturbrokerin
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Werdegang einer Kulturbrokerin

Dr. Stephanie Sommer hat ihren Traum verwirklicht und sich mit ihrem Unternehmen „KulturBroker“ selbstständig gemacht. Ihr großes Interesse liegt darin, kulturwissenschaftliche Themen in die Unternehmerwelt einzubringen. Wie gelingt dieses „Kunststück“?

„Ich habe mich schon immer für ganz unterschiedliche Themen interessiert.“ Vor allem für Literatur und Sprachen, aber auch dafür, was in der Wirtschaft so los ist, berichtet Stephanie Sommer bei unserem Telefonat. Durch einen Zeitungsartikel ist sie dann auf den Studiengang Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien an der Universität Passau gestoßen. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten und Themenbereiche stand fest: das sollte es werden. Nach zwei längeren Auslandsaufenthalten während und nach der Schulzeit in Frankreich und Spanien interessierte sie sich zunächst für den Ibero-Romanischen Kulturraum. Doch Frau Sommer wechselte dann doch noch zum deutschsprachigen Raum und lernte so das Fach Volkskunde, wie es in Passau da noch hieß, kennen – und war begeistert!

Erfahrungen Sammeln

Nach ihrem Studium wollte Stephanie Sommer direkt in den Job einsteigen. Das gelang ihr problemlos: Schon nach ein paar Wochen hatte sie einen Job bei der ICUnet.AG in Passau, einem interkulturellen Beratungsunternehmen, mit dem Arbeitsbereich Entsendungsmanagement. „Wenn Firmen ihre Mitarbeiter ins Ausland schicken, dann muss alles Mögliche organisiert werden. Die Familien müssen umgetopft werden – so zu sagen – Visa, Führerschein, Wohnungssuche, Kinder einschulen.“ In diesem Aufgabenbereich bewegte sie sich und bekam auf diese Weise viele interessante Einblicke und konnte spannenden Tätigkeiten nachgehen. Sie war unter anderem Teamleiterin für Finanzen und Zentrale Dienste sowie Vorstandsassistentin.

„Ich wollte in diesem Unternehmen verstehen und lernen, wie man mit kulturwissenschaftlichen Herangehensweisen am Markt erfolgreich sein kann.“

Doch auch schon zuvor sammelte sie zahlreiche Erfahrungen und füllte ihren Lebenslauf. Nach der Schule beschloss Stephanie Sommer bei der Deutschen Bank AG eine zweijährige Ausbildung zur Bankkauffrau zu machen: „Ich wollte einen Wirtschaftsschwerpunkt haben und den dann auch im Lebenslauf setzen.“ Dort lernte sie einiges über das Privatkunden- und Firmenkundengeschäft oder auch Buchhaltung. Sie konnte so viele Bereiche kennenlernen, die für sie heute noch relevant sind. Auch mehrere Auslandsaufenthalte und Praktika bereichern ihren Erfahrungsschatz. Stephanie Sommer verbrachte beispielsweise vier Monate in Brüssel, um dort ein Praktikum bei der Heinrich-Böll-Stiftung im EU-Regionalbüro zu machen. Dabei ging sie auch einer freiberuflichen Tätigkeit für die Grünen im Europäischen Parlament nach. Die Erfahrung im Umgang mit Differenz und dem Fremden ist eine Kompetenz, die sie dabei erlernen konnte und die ihr heute sehr viel bringt. Und auch das Sprechen mehrerer Sprachen hat einen großen Vorteil, wenn man mit verschiedensten Menschen zusammenarbeitet.

„Man lernt mehr, wenn man über den eigenen Tellerrand schaut und wenn man auch mal ein bisschen vom Mainstreamweg abweicht.“

Mit Doktortitel in die Selbstständigkeit

„Mein Chef hatte einen Doktortitel und irgendwie wollte ich das auch immer.“ Außerdem helfe der Doktortitel auch bei der Selbstständigkeit, man würde noch einiges in dieser Zeit lernen und sei kompetenter, erklärt mir Stephanie Sommer. Für sie war klar, sie möchte im Fach Europäische Ethnologie promovieren und sie entschied sich für die LMU München. „Ich habe dann zu einem russlandspezifischen Thema promoviert. Zu Postsozialismus und Globalisierung.“ das hat im weitesten Sinne auch wieder mit Wirtschaft zu tun, war aber nicht das Thema ihrer Promotion. Als sie dann ihren Doktortitel verteidigte, war Stephanie Sommer nicht gleich sicher, ob sie in die Selbständigkeit gehen sollte: „Mir war nicht gleich klar, ob ich erst in ein Unternehmen oder eine Festanstellung reingehe oder mich gleich selbstständig mache.“ Stephanie Sommer schickte einige Bewerbungen raus und merkte dann aber recht schnell, „ich bin jetzt eigentlich da, wo ich vor der Promotion auch war.“ Unter anderem aus diesem Grund stand für sie fest: „Dann mache ich das lieber gleich mit der Selbstständigkeit.“

Der Zeitpunkte passte, und sie brachte ihr Unternehmen KulturBroker im Jahre 2016 an den Markt. Dabei startete sie ohne ein Netzwerk und musste sich zunächst erstmal am Markt orientieren und die Sprache der Wirtschaft wiederfinden. „Und auch verstehen, was die Wirtschaft bewegt und was die Auftraggeber wollen und brauchen.“ Kulturwissenschaften in die Wirtschaft zu bringen ist auch „ein bisschen ein Kunststück“, erklärt Stephanie Sommer.

Was macht ein Kulturbroker?

Nach und nach baut sich Frau Sommer ein Netzwerk auf und findet passende Schwerpunktthemen, die gefragt sind. Dabei orientiert sie sich auch an freien Mitarbeitern und den Themen, die diese mitbringen. So kam zunächst Globalisierung und Nachhaltigkeit mit rein. Aber auch „Technologiethemen, wo man erst mal nicht so sieht, dass da der Mensch und unser Wissen mit zu tun haben könnten.“ Doch da die eher konsumentenorientierten Unternehmen geografisch weiter von ihrem Lebensmittelpunkt Heidelberg weg angesiedelt sind, wollte sie sich zunächst auf die zwischen Stuttgart und Frankfurt konzertieren.

„Hier in der Gegend gibt es viele interessante Unternehmen von Banken, Versicherungen, über Softwareunternehmen und natürlich Technologiehersteller. Ein Trend in der Wirtschaft, durch den digitalen Wandel sind auch die Startup- Unternehmen. Dann habe ich verstanden, wo da Bedarf ist und habe mich in den letzten zwei Jahren auf das Technologiethema spezialisiert, welches rein aus dem Markt entstanden ist.“

Am Anfang hatte Frau Sommer vor, ethnographische Studien anzubieten. Sie wollte in die Unternehmen gehen und diese von den tollen Ansätzen, dem mikroanalytischen Vorgehen und dem Erkennen von dichten Zusammenhängen begeistern und dazu Fragestellungen erarbeiten. Auch Dinge, die sie von der klassischen Markforschung vielleicht nicht bekommen. Doch schnell wurde klar, dass Unternehmen, die sich für ihren Ansatz interessieren, wollen, dass ihre Mittarbeiter diese kulturwissenschaftliche Perspektive erlernen, um sie in ihre Forschungs- und Entwicklungskonzepte mit einzubringen. Oft handelt es sich um größere Unternehmen, die zum Beispiel eine Innovationsabteilung haben und den etwas „schrägen“ Ansatz ausprobieren wollen.

„Ich arbeite jetzt mehr mit ITlern, Ingenieuren und Technikern zusammen. Das Schöne daran ist, dass man ihnen etwas Neues erzählt. Das ist ein Feld, in dem sie einen ganz anderen Hintergrund haben. Diese Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar.“

Im Grunde genommen, geht Stephanie Sommer in die Unternehmen und präsentiert den kulturwissenschaftlichen Ansatz in Workshops oder Impulsen – als Vortragende zu einem Thema oder als Organisatorin eines spezifischen, mehrtägigen Workshops. Indem sie dann bestimmte Themen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet, Methodenkenntnisse vermittelt und auch Studien dazu anfertigt. „Das ist also ein Dreiklang aus Workshops/Impulsen, Forschung und Beratung.“

„Ich habe mir das Studium und den Job rausgesucht, weil ich Abwechslung liebe. Aber dafür muss man auch gemacht sein.“

Die wichtigste Tätigkeit im Arbeitsalltag ist die Bearbeitung von Kundenanfragen und -aufträgen. Das ist manchmal mehr und manchmal weniger. Aber es gibt auch noch einiges „Drumherum“ zu erledigen. Was am Anfang zunächst sehr wichtig ist, ist die Kundengewinnung. „Die Leute müssen einen kennenlernen.“ Dazu kommen Marketingmaßnahmen und Buchhaltung. Es sind sehr abwechslungsreiche und natürlich viele unternehmerische Tätigkeiten.

Mut machen

Stephanie Sommer möchte Mut machen. „Ich finde wir Kulturwissenschaftler sollten uns mit unserem Wissen und Können, viel mehr einbringen. Gerade in gesellschaftlichen und politischen Bereichen und gerade auch in der Wirtschaft.“

Seit dem letzten Sommersemester hat sie auch zwei Lehraufträge und rät auch hier ihren Studierenden, sich ihrer Interessen bewusst zu werden, Praktika zu machen und sich Vorbilder zu suchen. Ihr Vorbild war ihr früherer Chef. Er hat sein eigenes Unternehmen aufgebaut und sie habe so viel von ihm gelernt. Letztlich sollte man sich dann aber auch selber finden und etwas machen, was man liebt.

„Ich bereue nichts. Es macht Spaß sich selbst zu erfinden, das ist auch manchmal schwer, weil man nicht so vorgezeichnete Wege geht. Aber ich wüsste nicht, was ich hätte anderes tun sollen.“

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